Brüder auf der Pilgerschaft
Willy Sophus Ackermann (links) und Gusto Gräser (rechts) beim Vagabundenkongress in Stuttgart, Pfingsten 1929
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„Edle Antlitze mit friedvollen Augen, Gesichter, aus denen eine Liebe zur Natur, zu Gottes schöner Welt spricht, die ein seltsames Heimatgefühl und verstehendes Sehnen hervorruft.“
Wir Bauer gehen zum Grunde,
wir gehen, von Habsucht weit,
wir gehen Hütten zu bauen,
die Hütten hinter dem Neid..
Der Garten ist ein Waldstück auf einer hügeligen Fläche, eine Holzhütte mit offener Front als Schutzhaus. Kunterbunt liegen durcheinander auf dem Gras die Wanderer, weniger in Lumpen gehüllte Gestalten als gut angezogene Wandervögel. Viel Weibliches von der Straße - und aus der Großstadt. Musik, Gesang. Kinder rennen um den Rundlauf, bewegen die Schaukel. Um langhaarige, mildbärtige Gestalten in der Tracht zeitloser Propheten stehen Aufblickende wie Heilssucher; die Geigen und Gitarren tönen.
Gruppen lagerten, die Außenseiter der Außenseiter, erste Kinder Adams, hatten ihre Zuhörer, sie redeten von der neuen Gemeinschaft und dem Weg in die Natur. Gräser, der Siedlungsmensch, der schon vor zwanzig Jahren dem ausgerissenen Oskar Maria Graf Freund und Genosse war, mild von der Sonne Luganos, gab Auskunft und sein ruhevolles Wesen war mehr als alle Worte.
Heinrich Lersch
Von irgendwo dringen sonderbare Stimmen an das Ohr des Menschen, als sei einer von der großen Heerschar der fahrenden Gesellen und Vaganten mitten unter uns getreten, um uns Zeit- und Raumverschlingern gebieterisch sein donnerndes:
„Ein Wandrer steht vor Deinem Tor, Menschheit, hörst Du sein Pochen?"
zuzurufen. Als Mahner einer naturgebundenen, unserem Zeitalter entschwundenen Lebensmoral gehen sie abseits von der großen Heerstraße ihren Weg. Unerkannt und ungenannt. Philosophen des Nichts und auch des Alls. Kinder eines Zukunftslandes in einer von uns noch unverstandenen Sprache.
Hermann Giesau
Inzwischen hatte unsere Gruppe die Wanderung angetreten, bald trafen wir mit anderen Gruppen zusammen, und es erfüllte und beglückte uns mehr und mehr das Gefühl der Einigkeit und des gemeinsamen Zieles. Den Vorschriften getreu, lebten wir als Pilger und machten von keiner jener Einrichtungen Gebrauch, welche einer von Geld, Zahl und Zeit betörten Welt entstammen und das Leben seines Inhalts entleeren; vor allem gehörten dazu die Maschinen, wie Eisenbahnen, Uhren und dergleichen.
Wunderbar festliche Tage waren es jedesmal, wenn wir auf unserem Zuge mit andern Teilen des Bundesheeres zusammentrafen, wir bildeten dann zuweilen ein Heerlager von Hunderten.
Und immer wieder, in Schwaben, am Bodensee, in der Schweiz und überall, begegneten uns Menschen, die uns verstanden oder die uns doch auf irgendeine Weise dafür dankbar waren, daß es uns und unsren Bund und unsre Morgenlandfahrt gab.
Unsre Fahrt nach Morgenland und die ihr zugrunde liegende Gemeinschaft, unser Bund, ist das Wichtigste, das einzig Wichtige in meinem Leben gewesen.
Hermann Hesse
"Unsre Heimat ist die Zukunft"a