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Tod der Schwester
Tgb 8
1891,
9.
4.
Nach kaum einem Jahr der
Hochzeit, den 9ten April 1891, Nachmittag zwischen 4 und 5
Uhr, bekam unser liebes
Lottchen das Kindchen.
Die Entbindung war viel
schwerer, als ich diesen Akt von mir aus kannte, denn zu
den Tgb 8 R
Druckwehen hatte sie fast
keine Kraft mehr. Ich verzweifelte, schickte nach dem
Arzt. Er
kam
nicht einmal [bis] ins Krankenzimmer, so war mein
geduldiges, in der Anwartschaft ein
Kindchen zu haben Alles
ertragendes wertes Kind schon von einem kleinen
mittelgroßen
mageren Mädchen entbunden.
Gott ist uns beigestanden, sodaß auch alles Übrige nach
unserem Wissen einen
normalen Verlauf genommen hat.
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Ich pflegte mein liebes
Kind so gut ich konnte. Wir freuten uns alle über dieses
glückliche
Ereignis, und wie selig war
mein junges Mütterchen, als ich ihr das Kindchen zum
erstenmal
an die Brust legte! Doch
dieses Glück dauerte nur zwei Tage und eine Nacht. In der
Früh des
dritten Tages bekam unser Lottchen Schüttelfrost,
doch nicht in hohem Grade, aber darnach
die fürchterlichsten
Schmerzen im Unterleib, die ein Mensch ertragen kann,
sodaß sie dabei
immer den Körper verdrehte
und einigemal auch gepfiffen hat. Der Arzt W. hatte,
trotzdem
daß wir ihn zur Geburt
gerufen hatten, uns nicht mehr besucht, und so schickten
wir
neuerdings, gleich nachdem
die schrecklichen Schmerzen aufgetreten waren, nach ihm.
Er
kam, erkundigte sich aber
nach gar nichts, sagen durfte man ihm auch nicht viel, so
viel sagte
ich ihm aber doch, daß mein
Lottchen vor der Entbindung mehrere Tage Diarröh und in
den
Gliedern
durch Erkühlung etwas Rheumatismus hatte, was sich auch
durch heftiges
Ohrstechen am zweiten
Abend, also am Abend vor dem Schüttelfrost, bemerkbar
machte.
Doch er gab mir auf das
alles zur Antwort: "Auf das reflektiere ich gar nicht." Er
sah die
Kranke kaum an, ging ins
andere Zimmer, fing an zu verschreiben und sagte mir, ich
solle
ein großes Leintuch und
dicke Handtücher hervornehmen, damit wir auf den wehen
Leib mit
gestandenem Wasser
Umschläge machen. Als er fertig war mit dem Verschreiben,
kam er
heraus,
sah nach dem Abfluß, der schön rot war und auch nicht übel
roch, und meinte, wir
sollen mit den Umschlägen
warten bis den nächsten Tag.
Wir machten der Guten also
nichts anderes, als nach Verordnung Morphiumstropfen gegen
die großen Schmerzen. Doch
die Schmerzen gaben nicht nach und wir schickten Vormittag
noch einmal nach ihm. Er
kam und sagte: "Also wenn 10 Tropfen nicht helfen, so
geben Sie
15 stündlich", sodaß bis beiläufig 3 - 4 Uhr
Nachmittag die Arme in ihren leeren kranken
geschwächten Magen
beiläufig 65 Tropfen genommen hatte.
Am Nachmittag kam er
wieder, verschrieb etwas zum Eingeben, worin aber auch
Morphium
war,
und machte auch noch eine Injektion. Die Schmerzen
dauerten fort die ganze Nacht
trotz den kalten
Umschlägen, die wir doch schon Sonntagnachmittag anfingen.
In der Nacht
von Sonntag auf Montag
ließen die fürchterlichen Schmerzen nach. Ihr Leib, der
bis dahin
noch weich und nicht
geschwollen war, fing an hart zu werden, der Abfluß wurde
schmutzig
rot, manchmal fantasierte
sie und der Arzt verordnete nun Cognak, gegen den die Arme
sich
sträubte, erst
Kaffeelöffelchen- dann Eßlöffelweise, und weil sie alles
ausbrach fortwährend
Eisstückchen zum Schlucken.
Nachdem in dem geschwächten Magen nichts mehr bleiben
wollte, bekam sie auch
schwarzen und weißen Kaffee, aber es war alles schlecht,
der arme
Körper und Magen war
vergiftet und konnte nichts mehr bei sich behalten. Sie
atmete jetzt
nur rasch und immer
rascher, küßte mir im Vorbeistreifen die Hand, sprach fast
gar nichts,
sah mich immer nur fragend
an mit ihren großen schönen Augen, und ich konnte noch
soviel
Ruhe bewahren, ihr zu
sagen: "Bleib nur ruhig, mein gutes liebes Kind, es wird
dir schon
besser."