Wandervogel Heuß
Ein Sympathisant Gusto
Gräsers
Nach Aussage von Dr. Otto
Weise, freideutscher Wandervogel und
Lektor im Stuttgarter
Klett-Verlag, gehörte Theodor Heuß, der
spätere Bundespräsident, zu
den Esslinger Sieben um Gusto
Gräser. Sie trafen sich
1907 in Esslingen: der Maler und
Kulturreformer Gusto Gräser
aus Siebenbürgen, der Maler und
Lebensreformer Willo Rall
aus Brackenheim, der Kaufmann und
Lebensreformer Friedrich
Lamberty, genannt Muck, aus Straßburg,
der
Buchhändler und Dichter Georg Stammler aus Calw, die
Wandervogelführerin und
liberale Stadtverordnete Luise Riegger
aus Karlsruhe, der
Journalist Theodor Heuß aus Brackenheim und
der Kaufmann und spätere
Kunstmäzen Hugo Borst aus
Göppingen. Heuß und Rall
waren als Nachbarskinder in
Brackenheim aufgewachsen,
Heuß besprach um 1916 die
Kriegszeichnungen seines
Jugendfreundes Rall ausführlich und
positiv. Er stand dem
Wandervogel nahe, sah sich als Bohemien
und Künstler. Später
arbeitete er in der Redaktion des ‚März‘ mit
Hermann Hesse zusammen, der
im Banne von Gusto Gräser stand.
Er war Mitarbeiter des
liberalsozialen Politikers Friedrich
Naumann, redigierte dessen
Zeitschrift ‚Die Hilfe‘. Naumann wird
in der Versandliste von
Alfred Daniel als Sympathisant oder
Unterstützer
ebenso genannt wie die Redaktionen
von ‚März‘ und
‚Hilfe‘. Es ist anzunehmen, dass
Gräser durch Heuß bei Naumann
eingeführt wurde. Dem
ultraliberalen Siebenbürger, der mit den
sozialen Strömungen seiner
Zeit eng vertraut war (Anarchisten,
Sozialisten,
Syndikalisten), musste der Liberalismus eines
Naumann, der sich den
sozialen Reformen öffnete, am ehesten
politisch nahestehen.