Eine schillernde Figur – vom Theosophen und unitarischen Prediger und Gärtner zum pangermanistischen Agitator - und ab nach Brasilien.

Karl von Schmidtz
(alias Paul Duss, alias F. Wilhelm Brepohl)


 
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Eines Tages erscheint Paul Duss auf der Bildfläche, er sei Gärtner …“ das war 1901, auf dem Monte Verità.

(Ida Hofmann, S. 27)

"Als er nach Locarno, Schweiz, leben kam, diente F. W. Brepohl als Gärtner, als Knecht inunterwürfiger Rolle, aber trotzdem weckte er die Aufmerksamkeit der Malerin Julie Hofmann, die 10 Jahre älter als er war."
(Marionilde Dias Brepohl de Magalhaes in "Blog Rosacruzes", 25.12.2009)

Dieser Paul Duss hiess in Wirklichkeit Karl von Schmidtz und heiratete 1902 Ida Hofmanns jüngere Schwester Julie (auch als Lilly bekannt). Er gehörte zu den Theosophen des Monte Verità, pilgerte mit Lotte Hattemer und Josua Klein zu Franz Hartmann nach Locarno, liess sich adoptieren, hiess seitdem Brepohl und eröffnete eine theosophische Buchhandlung erst in Locarno, später in Haimhausen bei München.

Brepohl war Hermann Hesses Buchhändler! Bei ihm hat er sich 1907 die theosophische Literatur besorgt, die ihm den Weg ins indische Denken eröffnete. In Hesses Traumtagebuch heisst es, S. 205, am 16. August 1918: „ … erinnert an die rachitischen Hände des Buchhändlers Brepohl."

Später wurde Brepohl methodistischer Pastor.

Mit Julie, die auch als Lilly Hofmann bekannt war, verbrachte er einige Zeit auf dem Monte Verità. Wilhelm erwähnte später nie seine Erfahrungen in dieser anarchistischen Gesellschaft, deren Lebensweise seinen pangermanistischen Idealen vollständig zuwiderlief. Aber aus praktischen Erwägungen hielt er den Kontakt mit dem anarchistischen Ehepaar Hofmann (Ida, Notiz des Übersetzers) und Oedenkoven, das die Kosten der Reise Wilhelm Brepohls mit der ganzen Familie von Deutschland nach Curitiba, Brasilien im Jahr 1925 trug. Wilhelm und Julia heirateten im Jahr 1903 (Bemerkung der Redaktion: Nach Ida Hofmann, S. 43, haben Lilly und Schmidtz im Sommer 1902 geheiratet, dazu passt die Geburt der Emma im Februar 1903). Sie hörte auf zu malen, um Pfarrersgattin zu werden. Sie hatten insgesamt fünf Kinder. Die erste Tochter, Emma Costet de Mascheville, wurde am 10. Februar 1903 in Heimhausen in Bayern, Süddeutschland, geboren (Bemerkung: Costet de Mascheville ist der eheliche Name von Emma Hofmann). Im Jahre 1906 zog sie mit ihren Eltern nach Serbien und von dort aus mit einem Bruder nach Ungarn, wo ihr Vater eine Karriere als evangelischer Pfarrer, Redakteur und Schriftsteller begann.

Wegen einer im Jugendalter erlittenen Krankheit (Syphillis), konnte Oedenkoven keine Kinder zeugen, so liess Julie 1907 ihre vierjährige Tochter Emma mit Onkel und Tante leben. Diese Nichte von Ida Hofmann wurde später eine der grössten brasilianischen Astrologinnen aller Zeiten. Emma Costet de Mascheville, auch als "Dona Emy" bekannt oder unter dem magischen Namen "Lorelair". 1911 zog die achtjährige Emma wieder zu ihren Eltern. 1918, mit fünfzehn, brachte sie der Freund Hermann Hesse in München zum ersten Mal ins Theater. Hesse hatte sie kennengelernt als er im gleichen Jahr als die kleine Emma dort lebte, in der Kolonie (Bemerkung: gemeint ist wohl der Monte Verità) wohnte; er muss eine besondere Zuneigung für das Mädchen gehabt haben.
(Marionilde Dias Brepohl de Magalhaes in "Blog Rosacruzes", 25.12.2009)

Brepohl-Duss-Schmidtz hat einen Lexikonartikel über Ernst Graeser verfasst, der 1905 erschien. Schmidtz wird auch Gusto Gräser gekannt haben.


Artikel von Brepohl-Duss-Schmidtz, Schwager von Karl Gräser, der sich 1910 energisch für eine humane Behandlung der Zigeuner einsetzt und jetzt zu Beginn des 21. Jahrhunderts aus Anlass der Zigeunerverfolgungen in Ungarn wieder abgedruckt wird. Auch ein Beispiel für die Denkweise auf dem Monte Verità und ihre fortdauernde Wirkung. Es ist der selbe Brepohl, der, bzw. dessen Frau Karl Gräser bis zum Ende gepflegt hat. Er lebte später in Wiesbaden und Bad Nassau, war christlicher Missionar geworden und ging (wie Ida Hofmann) nach Brasilien, wo er als pangermanischer Agitator eine gewisse Berühmtheit erlangte.
Ursprünglich ein Kämpfer gegen den Rassismus, wurde er später selbst ein Rassist.

Einleitung (2014):
Stefan Bársony:
Unsere Zigeuner - eine Erwiderung
Ziegeunerstempeln: Die Gipsy-Lore-Society, welcher der Autor des ersten der folgenden Beiträge, F. W. (Friedrich Wilhelm) Brepohl, angehörte, wurde 1888 in England als Wissenschaftsvereinigung zur Erforschung der "fahrenden Völker" gegründet und existiert noch heute. Sie hält jedes Jahr an wechselnden Orten eine große Tagung ab (2002 in Ungarn), auf der neben ethnologischen auch zunehmend soziale und integrative Aspekte des "Zigeunerproblems" erörtert und publiziert werden. In dem Text erfahren wir interessante geschichtliche Hintergründe, wie die Mehrheit mit den “fahrenden Gesellen” umging und sehen erschreckende Parallelen ins Heute. Anlass war der Wunsch eines ungarischen Komitates, Zigeuner zu stempeln und ihnen die Pferde wegzunehmen.
Der nachfolgende Text von Stefan Bársony vom 23. März 1910 ist eine direkte Replik auf die Ausführungen Brepohls im Pester Lloyd vom 16. März 1910. Er zeigt, wie tief verwurzelt in bürgerlichen Kreisen die Vorstellungen von der Existenz höher -und tieferstehender Nationen und Rassen waren und sind. Ein Rassismus, dem man heute nicht nur subtil sondern oft noch eben so direkt und unverblümt als lebendige Vorurteile in weiten Teilen der ungarischen Bevölkerung, relativ unabhängig von politischer Zugehörigkeit oder Bildungsgrad, begegnet, auch dadurch bedingt, dass es in der Nachwendezeit nicht gelungen ist, die Integration dieser größten ethnischen Minderheit in sichtbar taugliche Bahnen zu lenken. …

Aus dem Pester Lloyd von 1910
F. W. Brepohl
Die Zigeuner in Ungarn
Eine vor Monaten unter dem Vorsitz des Grafen Géza Mailáth tagende Konferenz zur Beratung der Zigeunerfrage in Ungarn (zu Csongrád) beschloß auf Vorschlag des Barons Alexander Jeßenßky, eine Eingabe an die Regierung zu richten, man möchte doch den Zigeunern alle Wagen und Pferde abnehmen, um sie dadurch zum Aufgeben des Nomadenlebens zu zwingen. Auch sollen ihnen alle Waffen und Messer abgenommen werden, ferner solle man jedem Zigeuner eine einem sichtbaren Teile des Körpers eine Nummer abstempeln, um so eine Kontrolle derselben zu ermöglichen.
Diese Nachricht hat die Zigeunerforscher und Ethnologen Europas einigermaßen überrascht. Hatte doch bisher Ungarn den R u h m, diesem Volk gegenüber unter allen Kulturvölkern Europas die humanste Stellung eingenommen zu haben. Hoffentlich lehnt auch die ungarische Regierung den sonderbaren Vorschlag ab. Würde doch dessen Ausführung die Errungenschaften bedeutender Zigeunerforscher, unter denen Ungarn hervorragende Männer geliefert hat, in ihrem Wert herabmindern. Nicht dazu haben ein Erzherzog Josef, ein Professor Dr. Hermann, ein Dr. Heinrich von Wislocki und ein Franz Liszt mit solcher Aufopferung und Liebe sich dem Studium der Eigenart und des inneren Lebens dieses Volkes ergeben (Liszt löste im Pester Lloyd einen großen Disput aus, in dem er in einer Aritkelserie, die später als Buch veröffentlicht wurde, die These aufstellte, die ungarische Volksmusik sei nichts originäres, sondern im wesentlichen eine Adaption von Zigeunerweisen.

Eine musikwissenschaftlich mittlerweile, auch durch die Forschungen Bartóks widerlegte These, die aber in der Zeitung zu grundsätzlichen Überlegungen über das Verhältnis und den Grad der Verwandschaft der Ungarn mit "den" Zigeunern führte, Anm.), um am Ende nichts weiter hervorzubringen, als eine gesetzliche Maßregel, die an das Mittelalter erinnert und die eines Kulturvolkes, wie das der Ungarn, unwürdig ist. Die Aufopferung jener Männer verdiente es wahrhaftig, mehr beachtet zu werden, als es auf der Csongráder Konferenz geschehen ist. Dort scheint man nur die Schattenseiten und die dismoralische Qualifikation der Zigeuner erwogen zu haben. Jedenfalls wäre man nicht zu diesem Schluß gekommen, wenn man genügend die Ergebnisse historischer und ethnologischer Forschung beachtet hätte. Gerade Ungarn nimmt ja in der Geschichte der Zigeuner eine humane Stellung ein.

Nachdem der Reichsabschied des deutschen Reichstages von 1497 (§21) die Zigeuner des Landes verwiesen hatte und der Reichstag von Freiburg 1498 sie für vogelfrei erklärte, war es der edle Graf Georg Thurzó, Palatin von Ungarn, der diesem gequälten und gejagten Volk in Ungarn ein gastlich Asyl gab und ihnen einen Freibrief ausstellte. Diese Tat Thurzós wird der ungarischen Nation bei allen humandenkenden Völkern und Kulturmenschen zu dauerndem Ruhme gereichen. Während andere europäische Völker mit eiserner Faust die Zigeuner bedrückten, brandmarkten und töteten, war es Ungarn, das dank der weisen Einsicht seines Palatins menschlich mit ihnen verfuhr. Während zu Anfang des 18. Jahrhunderts der König Friedrich Wilhelm I. von Preußen befahl, daß die Zigeuner, welche preußische Staatsgebiete betreten und über achtzehn Jahre alt seien, ohne weiteres und ohne Unterschied des Geschlechts am Galgen aufgeknüpft werden sollten, während die Grafschaft Reuß in einer Verordnung von 1711 befahl, daß alle männlichen Zigeuner, einerlei, ob mit Pässen versehen oder nicht, ohne weiteres zu erschießen seien, wenn sie in reußischen Landern ergriffen würden, die Weiber derselben aber mit Ruten gepeitscht und ihnen der Galgen an die Stirne gebrannt werden sollte, waren es die ungarischen Behörden, die auf Grund des Freibriefes des Grafen Thurzó und der siebenbürgischen Fürsten sie gastlich aufnahmen.


Die Stadt Brassó [Kronstadt / Brasov (Anmerkung des Webmasters)] z.B. schenkte im Jahre 1416 ihnen Federvieh, Frucht aus den Stadtkammern und zehn Denar. Franz Liszt lobte diese Tat der Ungarn als eine humane und sagt, daß nur das ungarische Volk ein menschliches Empfinden für dieses geplagte und gehetzte Volk gehabt habe. Dem ungarischen Volk sei es auch zu verdanken, daß die Zigeuner sich zu solch musikalischer Kunstfertigkeit hätten aufschwingen können.

Man fragt sich nun billig, ob ein Vorschlag wie der der Csongráder Konferenz, welcher geeignet ist, das Ansehen der ungarischen Nation und den Ruf ihrer Humanität zu schädigen, einen praktischen Wert hat. Die Geschichte lehrt, daß bei Zigeunern harte Bedrückungen und Maßregelen von unmenschlicher Strenge keinen Wert hatten. Die schon erwähnten Verordnungen von Reuß und Preußen fruchteten in diesen Ländern nichts. Je mehr man das Volk drückte, je mehr es sich mehrte. Diese alte Bibelwahrheit erfüllte sich an den Zigeunern. Eine sechshundertjährige Geschichte dieses Volkes in Europa lehrt, daß dadurch die Plage, die von diesem Volke ausgeht, keineswegs aus der Welt geschafft wurde. Der reußische Kriminalrat Liebich sagt über die Behandlung der Zigeuner: "Man muß sich billig wundern, daß die Zigeuner bei so hartherziger und grausamer Behandlung nicht noch weit bösartiger und feindlicher gesinnt gegen Menschen anderer Art geworden sind, als sie jetzt wirklich erscheinen. Überhaupt hat die christliche Zivilisation im Grunde noch sehr wenig, oder was dasselbe ist, noch nicht das Rechte getan und tut auch heutigen Tages noch sehr wenig, um das arme Volk der Zigeuner zu sich zu erheben." Liebich hat recht. Die zivilisierten Völker haben es an der richtigen christlichen Humanität diesem Volke gegenüber fehlen lassen, n der Meinung, daß dasselbe einem höheren Einfluß unzugänglich sei. Aber schon der Forscher Grassunder kam zu der Ansicht, daß auch dieses Volk höheren Einflüssen zugänglich sei. Diese Ansicht wird von vielen Zigeunerforschern geteilt. Sie war es, die zuerst in England und in Nordamerika der Auffassung Bahn brach, daß eine Erforschung dieses Volkes notwendig sei, um dasselbe missionieren und christlich erziehen zu können. Das hat zu einer großen englischen Zigeunerliteratur geführt. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts war es George Borrow, der ihren Charakter, ihre Sprache studierte, mit priesterlicher Klugheit und mit sinnigen mütterlichen Umschweifen ihnen die Glaubenssätze und Ideen des Christentums über das Gute und Böse einpflanzte und mit Zärtlichkeit diesen vernachlässigten, mit Unkraut überwucherten Seelen Bruchstücke der frohen Botschaft des Evangeliums verstehen und ausüben lernte. Borrows Arbeit unter den Zigeunern Spaniens ist für diese die Grundlage einer moralischen Besserung und eines Aufschwunges geworden.

Bekanntlich hat auch die edle Königin Maria Theresia versucht, dieses Volk zu christianisieren und ethisch zu heben, indem sie 1761 versuchte, die Zigeuner im Banat als Neuungarn ansässig zu machen und sie zwangsweise taufen ließ. Liszt sagt hiezu: "so besonders wohlwollend auch die Sorgfalt war, welche die große Fürstin der Regierung ihres treuen Ungarlandes widmete, das ihr durch diese Horden ohne Treue und Gesetz, ohne Haus und Herd beunruhigt zu sein schien, so konnte sie unmöglich weder Muße haben, sich zu erkundigen, noch die Gelegenheit, zu erfahren, welcher Geist diese Elenden, die nicht nur auf der niedrigsten Stufe der Gesellschaft, sondern fast unter derselben standen, tatsächlich belebte. Wie wäre es möglich gewesen, nicht als die verächtlichste und letzte aller Menschenklassen zu betrachten, da natürlicherweise ihre ganze Nation und sämtliche Ratgeber in dieser Ansicht übereinstimmten. Wie hätte es ihr jemals einfallen können, sich die Frage vorzulegen: Wer sie seien? Und warum sie das seien, was sie sind? Die Jahrhunderte hatten die Geringschätzung, die ihnen erwiesen wurde gleichsam sanktioniert... Die fromme Königin glaubte sehr gütig gegen sie und voll Mitgefühls zu sein - sie zu taufen und ihnen die Polizei als Paten zu ihrer Taufe zu laden." Die Versuche Maria Theresias scheiterten an der rein gesetzlichen Ausführung, da das innere Wesen der Zigeuner noch nicht genügend erforscht war. Was uns keineswegs zu wundern braucht. Selbst der strenge Befehl Maria Theresias von 1767, daß die Kinder den Eltern entrissen und zwangsweise erzogen werden sollten, blieb ohne Erfolg. Ebenso erging es mit den Versuchen Josefs II. Das Hauptregulativ Josef II von 1783 ist durchdrungen vom hohen Geist dieses Monarchen, aber leider, leider fehlte auch ihm sowohl die historische wie ethnologische Kenntnis des Zigeunerwesens. Seine Verfügung hat etwas Ähnlichkeit mit dem Beschlusse der Csongráder Konferenz. Das Führen von Pferden war ihnen untersagt, desgleichen der Pferdehandel. Gebrauch der Zigeunersprache und Eheschließung untereinander wurde strengstens verboten. Denselben Erfolg hatten Versuche von Seiten der ungarischen Geistlichkeit in den Jahren 1850 bis 1860, die Zigeuner zu einem "gesitteten Leben zu erziehen". Der Bischof von Szatmár, Johann Hám, der 1857 eine Schule für Zigeunerkinder stiftete,  und Pfarrer Farkas zu Ersekújvár, der eine Erziehungsanstalt gründete, mußten diese wieder aufheben, da auch sie zu wenig Kenntniß von dem Wesen der Zigeuner besaßen und einsahen, daß eine rein mechanische Erziehung unmöglich war.

Genau so würde es mit der Ausführung der Beschlüsse der Csongráder Konferenz gehen. Rein mechanisch ist dieses Volk nicht zu erziehen. Die Konferenzbeschlüsse würden dem Staat ohne jeglichen Nutzen nur hohe Kosten auferlegen. Die Fortnahme der Pferde muß naturgemäß eine Erbitterung bei den braunen Gesellen hervorrufen, und würde daher die Verschlagenheit derselben eher fördern, als die Leute moralisch bessern. Ehrlichkeit wird durch äußeren Gesetzeszwang nicht geschaffen, sondern nur durch Herzensbildung und Ethik. Was nützt es, ihnen die Waffen wegzunehmen, da dieselben doch in jedem Laden zu haben sind. Man denke nur auch an den Mißerfolg, den das Deutsche Reich hatte, als es den Eingeborenen seiner Kolonien Waffen wegnehmen ließ. Und dabei war das Deutsche Reich noch so vorsichtig, eine Geldentschädigung für die Waffen zu geben. Die Anbringung einer Nummer würde die Zigeuner aber wieder zu Parias stempeln und sie ihrer Menschenwürde berauben. Wir brauchten uns nicht zu wundern, wenn die Erbitterung dieses Volkes sich derart steigern würde, daß sie zu einer noch schlimmeren Plage für Ungarn als bisher heranwüchsen.

Wäre es nicht besser, eine spätere Konferenz und auch die ungarische Regierung zöge in Betracht, was die Forschung des Zigeunerwesens ergab, und versuchte auf Grund dieser Forschungen dies Volk in human-christlicher Weise zu beeinflussen? Die seit Jahren gemachten Versuche der Regierungen, dieses Volk ansässig zu machen, werden erst dann wirklichen Wert erlangen, wenn es gelingt, dies Volk nicht nur äußerlich zum Christentum heranzuziehen, sondern ihm auch eine ethische Grundlage zu geben. Die ethnologische Forschung des Erzherzogs Josef, Wlislockis und anderer haben zur Genüge ergeben, daß auch dieses Volk reges seelisches Innenleben besitzt.

Wird auf diesen fruchtbaren Boden ein guter Same gestreut, nicht mit Gewalt und Gesetz, sondern getragen von Liebe und wahrer Humanität, dann geht er auch auf. Die Frucht dieser Arbeit wird sein, daß die Zigeuner zu nützlichen Gliedern der ungarischen Nation und brauchbaren Werkzeugen der menschlichen Gesellschaft werden. Was hätte Ungarn davon, eine seinem Lande ein nach Zehntausenden zählendes Volk zu besitzen, welches Gehorsam gegen die Gesetze heuchelte und dabei im Herzen doch grimmige Feindschaft und Rachegedanken hegte?

Hier liegt ein weites Wirkungsfeld für solche Glieder ungarischer Kirchen - einerlei ob protestantisch, katholisch oder orthodox -, die von wirklicher Liebe und religiöser Überzeugung durchdrungen sind. Franz Liszt machte den christlichen Kirchen den Vorwurf, daß während sie in allen heidnischen Ländern missionieren, sie doch des unter sich lebenden Volkes der Zigeuner vergessen haben. Möge recht bald eine Schar wirklich ernster Menschen sich finden, die diesem Volk gute Belehrung geben und Samen in ihre Seelen streuen, der aufgeht und Frucht bringt. solche Arbeit ist nicht vergeblich.



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Literatur:

Brepohl, F. Wilhelm: Brasilien und die Mennonitische Einwanderung.

Brepohl, F. W.: Das ganze Deutschland soll es sein! Ev. Volksmission in Brasilien 1933.

Brepohl de Magalhaes, Marionilde Dias
Pangermanismo E Nazismo: A Trajetoria Alema Rumo Ao Brasil
ISBN 10: 8526804243 / ISBN 13: 9788526804241
Publisher: Editora da Unicamp / Publication Date: 1998

Weitere Publikationen von Karl von Schmidtz
(alias Paul Duss, alias F. Wilhelm Brepohl):

Heilsarmee und Gesellschaft by Carl von Schmidtz-Hofmann ( Book )
3 editions published between 1904 and 1905 in German and held by 7 WorldCat member libraries worldwide

Richard Wagner und das Christentum by Karl von Schmidtz-Hofmann ( Book )
1 edition published in 1905 in German and held by 3 WorldCat member libraries worldwide

Die Feinde der Biene im Tessin und in Oberitalien : [Aus: Der deutsche Imker ...] by Karl von Schmidtz-Hofmann ( Book )
2 editions published in 1904 in German and held by 2 WorldCat member libraries worldwide

Der deutsche Imker im Tessin und an den Oberitalienischen Seen by Carl von Schmidtz ( Book )
1 edition published in 1904 in German and held by 2 WorldCat member libraries worldwide

Der Colporteur : Erzählung aus dem Leben eines christlichen Colporteurs by Karl von Schmidtz-Hofmann ( Book )
1 edition published in 1905 in German and held by 1 WorldCat member library worldwide

Ist das Gebet ein Hindernis der Gründung der Persönlichkeit? by Karl von Schmidtz-Hofmann ( Book )
1 edition published in 1906 in German and held by 1 WorldCat member library worldwide

Die in der Südschweiz vorkommenden Bienenkrankheiten und ihre Heilung : [Aus: Der deutsche Imker ...] by Karl von Schmidtz-Hofmann ( Book )
1 edition published in 1904 in German and held by 1 WorldCat member library worldwide

Zwei katholische Zeugen des individuellen und freien Christentums (Nikolaus von der Flüe und Catharina von Siena) by Karl von Schmidtz-Hofmann ( Book )
1 edition published in 1902 in German and held by 1 WorldCat member library worldwide

Die Erhebung aus niederer Selbstsucht zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes : Studie by Karl von Schmidtz-Hofmann ( Book )
1 edition published in 1902 in German and held by 1 WorldCat member library worldwide

Der deutsche Imker im Tessin und an den Oberitalienischen Seen by Karl von Schmidtz-Hofmann ( Book )
1 edition published in 1905 in German and held by 1 WorldCat member library worldwide

<<Also sprach Zarathustra>> : Eine kritische Studie der Gedanken Friedrich Nietzsches im Lichte der christlichen Sittenlehre und ein offenes Wort an die heutige christliche Gesellschaft by Karl von Schmidtz-Hofmann ( Book )
1 edition published in 1906 in German and held by 1 WorldCat member library worldwide

Christentum, Ethische Kultur und Soziale Frage by Karl von Schmidtz-Hofmann ( Book )
1 edition published in 1902 in German and held by 1 WorldCat member library worldwide

Friedrich [von] Schiller und das Christentum by Karl von Schmidtz-Hofmann ( Book )
1 edition published in 1905 in German and held by 1 WorldCat member library worldwide

Wie erleichteré ich mir die Malarbeit? : Technische Abhandlung über hervorragende Neuheiten in Malutensilien. [Illustrierte Reklame-Broschüre für] die Universal-Patentpalette <<Zeuxis>> ( Book )
1 edition published in 1905 in German and held by 1 WorldCat member library worldwide



Brun, Carl: Schweizerisches Künstlerlexikon, Schweizerischer Kunstverein, Frauenfeld 1905. Reprint: Nendeln 1967. Artikel Ernst Graeser von C. v. Schmidtz.

Hesse, Hermann: Traumgeschenk. Betrachtungen, Tagebücher, Erzählungen und Gedichte über das Träumen. Hg. von Volker Michels. Frankfurt/M. 1996.

Hofmann, Ida: Monte Verità. Wahrheit ohne Dichtung. Aus dem Leben erzählt. Lorch 1906.

Schiff, Julia: "Extremes Denken und Fanatismus". Ida Hofmann - eine aus Siebenbürgen kommende Vorkämpferin für ein alternatives Lebensmodell. In: Südostdeutsche Viertel-jahrsblätter, 47. Jg., Folge 4, München 1998, S.339-343.

www.vegetarianismo.com.br/historia/ida-hofmann.html