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Das Tao Te King von Lao Tse
Übertragung ins Deutsche von Arthur Gusto Gräser







Tao: Das heilende Geheimnis.
Ein in den Wehen der Zeit wiedergeboren Menschheit-Buch
zur grohsen Heimkehr - Genesung - unsrer Welt.
Herausgegeben von Hermann Urspring.
Verlag Büchse der Pandora, Wetzlar 1979

"Wenn man ihn nach seinem Leben fragte, wich er aus. 'An meinem Leben ist nichts wichtig; der alte Icke ist lange tot.' Dieser Mann, der das abenteuerlichste und mutigste Leben geführt hat, das man sich denken kann, das Leben eines freien Mannes, der sich nie in Knechtschaft begeben hat, der stolz darauf war, nie um Geld gearbeitet zu haben, dieser Mann hat in all seinen Schriften, auf Tausenden Blättern, so gut wie nichts über sein Leben verlauten lassen. ... Unter dem Druck härtester Not entstand in den Nachkriegsjahren Gräsers Alterswerk, in dem seine TAO-Erkenntnis und TAO-Verwandlung erst ihre letzte, reifste und blühendste Entfaltung erreicht ... Der Wanderer im selbstgenähten, buntfarbig bestickten Gewand, mit wallendem Haar und Bart, das Netz mit Früchten über der Schulter, die Sandalen an den nackten Füßen - er blieb ein Fremder in seinem Heimatland und er schien ein Gescheiterter. Es dauerte nicht mehr als zehn-zwanzig Jahre nach seinem Tod - da zogen Tausende, Zehntausende durchs Land, gekleidet wie er, heiter wie er, rebellisch wie er, naturfromm wie er. Und wieder lesen sie Laotse, lesen Buddha und Heraklit, lesen Thoreau, seinen Liebling - und lesen nun auch ihn, Gräser, lesen sein Tao-Buch ... Gräsers Tao-Buch - das ist fast ein Laotse inkognito."

(Aus dem Nachwort von Hermann Urspring)

"Eine sehr eigenwillige, manchmal fast unverständliche Bearbeitung des TaoTeKing, die mit dem chinesischen Urtext nur noch die Grundzüge gemeinsam hat." Eine solche Beurteilung wäre sicherlich haltbar, wird dem Werk dieses ungewöhnlichen Menschen allein aber wohl doch nicht gerecht. Während als Vorlage die 1911 neu erschienene Übersetzung von Richard Wilhelm gedient haben könnte, gerät die Auslegung von Gräser zu einer höchst individuellen Umformung des Textes, die auch vor neuen Wortschöpfungen nicht haltmacht (und ein sehr konzentriertes Lesen erfordert!). Es gibt Bücher, die man nur aus genauerer Kenntnis des Scheibers heraus verstehen kann, die ansonsten fremd und befremdlich bleiben. Um ein solches könnte es sich hier handeln.

(Quelle: Verzeichnis der deutschsprachigen Ausgaben des Tao Te King, von Matthias Claus)

Bezugsquelle



I

Hörst Du?
Hör auf mit dem Krampfen und Krallen, lasse Dich ruhn -
lass Dich getrost mit den treulichen Allen, wie der Thau
zu dem Grunde fallen,
draus uns erwallet urheiliges Tun.
Wallfall mit TAO ins Leben!
-    -   -
Du stehst, Du staunst des unverstandnen Worts?
O will nicht verstehn!
Geh, geh vorüber, lass gehn, lass geschehen
und TAO wird Dich erheben, wie es mich erhebt,
das heimlich heilig in uns Allen lebt.
Athem Es aus und ein - athmend ahnst Du sein Leben.
Sag, sing oder jauchz Es, aber will es nicht nennen -
nimm nicht durch Namen Dir, Mir, was Es an Gaben
birgt und bringt.
Unnennlich ist das unendlich Eine, und nennlich ist nur
der vergängliche Teil ---
Ehre sein Dunkel, und sieh, sein Stern wird Dir blinken -
aber - ziehst Du's ans Licht, musst Du in Trübheit versinken.
Hüt, o hüt das Geheimnis,
so wird das Geheimnis Dich hüten,
aber willst Du es sehen, muss es Dein leben zerwüten.
Oh Du!
Traue getrost - und wonnig wirket sein Weben -
H ö r e  a u f !
und innig beginnt sein helfend heilendes Leben.


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II

Du!
Unser närrisch Verstehn, unser gierig Sehenwollen,
das schied uns von T A O, verstellte uns die Welt
in Bös und Gut, Gross und Klein, Mein und Dein.
Wissen schied uns vom Wesen -
entrückte aus heiterer Mitte uns in grausigen Zwisst -
verrückte aus freundlicher Stille uns in hässlichen Stolz.
Wir sind geschieden, wir sind gescheit -
einig macht uns Bescheidenheit.
Darum bescheidet in Einfalt der Weise sich -
will nichts erzwingen, so zwingt ihn kein Zweck,
innig lebendig, über allen Zwiespalt hinweg,
lebt er in heiliger Dreifalt drein,
im Wieder-Vonselbersein.
Selig von Selber leuchtet das Licht ihm auf,
fröhlich von Selber lachts in die Welt:
E s  i s t  j a  A l l e s  E i n s -
a l s o  i s t  A l l e s  M e i n s !


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III

Freund - wenn Du Kenntnis verstehst,
dass Du nicht kluge Lügen züchtest -
Feindschaft in Dir!
Und wenn Du Schätze häufst, dass Du
Diebstahl nicht zeugst, der den
Schatz Dir entzieht, den Freund,
auch in Dir.
Du, wo das Wissen sitzt, kann die Weisheit nicht wandeln,
und wo der Geits hockt, kann der Geist nicht gedeihn.
Drum lass fahren Besitzung, lass werden, lass sein!
Siehe in Armut und Einfalt lebt heiter der Weise,
und von dem Frohen freilich ziehet man gerne Lehr,
daut sie in Mark und Bein, lösend die Wissenspein.
Liebend erkennend erfrischt er die Herzen seiner Gemeinde -
lebend beschämt er die kenntnisstolz habprotzigen Knöpfe.


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IV

Stille wirkt T A O,
ermüdlich nicht, noch erschöpflich, unergründlich
quillt sein lebendiger Grund,
der traulich Dunkle.
Im C H A O S webt T A O drin, als herzhaftiger Kern -
schlichtet und richtet, bindet-entbindet,
wirket aus Wirrnis funkelnden Stern.
Wir fassens nit, wir könnens nit ergründen,
so lasst uns innig nur ins Nächste münden,
ins Dunkle traun. -
So mundet auch uns und heilet hell
sein still dem Urdunkel entquillender Quell.


_______________________________________________________________

V

Himmel und Erde lieben den Menschen nicht besonders -
lieben den Heuschreck auch nit besonders.
Grohses Lieben klebt nicht an Einzelnem,
inniglich fliesst es, geniessend allnahes Leben.
Grohses Lieben hängt nicht an Gestalt,
doch in Gestalten findet es Seligkeit.
Gern haben - nennt es nicht lieben!
Der Liebende, gleicht er nicht dem Dudelsack?
Vom ewigen Hauch geblähet, bläst in die Welt er sein flüchtiges Lied -
flöten geht er, so wird er lebendig erfüllet,
dass aus ihm quellet und trillert lebendiger Geist -
Dem Allnahen ergeben, so kann er frisches Leben eratmen -
wie er sich ausgibt, nimmt der Liebende ein.
So, ja so wird gern ihm wieder gegeben -
so muss gewinnend, so muss er einnehmend sein.


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VI

Fortwährend webet und lebet der heilige Fleiss -
sickert und zirkt und wirkt leisfliessend durchs All -
all die verborgenen Würzelein tränkend gleich einer Mutter -
immerda, immernah ihr Kindlein zu nähren.
O alles wiegende Ewigkeit,
Mütterlichkeit,
T A O


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VII

Ich nicht, Du nicht - W i r  leben, o Freund,
wir alle nur wirken die Wirklichkeit!
Wer könnte sterben, da doch kein Einzelner lebt?
Schau den Lebendigen:
Sich innig verwendend, starrt ihm kein Ende,
stört ihn kein Tod.
Aufgehend im Eben lässt auf ihn das Leben blühn,
weil er Ihm traut, ist Es ihm grün.

"Dein bin ich, Du bist mein!"
raunt es durch Wald und Hain.
"Ich auch, ich auch, ich auch!"
jauchzt es von Baum und Strauch.

-    -   -

Horch, auch in Dir!


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VIII

Leben in T A O...
dem Wasser gleich wellt es und fällt in verachtete Tiefen -
thauet herab, begrüssend die Menschen und alle die Wesen,
dass sie sich laben und leben,
grünen und blühn.
Dennoch achtens die Menschen gering - warum?
Weils immer zu dienen beflissen.
Allso der Grohse - ihn schmähen die Hohen, er aber trauet und traufet
hinunter, hinunter - Eintracht zu binden, grundtreu trauliche Lust zu entbinden.
Oh traurige Höh, wo das Höhnen thront, wo Es nicht wohnt.
Was ist ein Wort, noch so klug, ohn das Tiefe, die Redlichkeit?
Was ist ein Geschenk ohne Es, ohne Lieb?
O du Verachtetes, dennoch das Köstlichste Du -
mit Dir fallen und wallen wir Alle -
heim!


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IX

Schiele nit nach vollen Trogen, neidvernarrtes Menschelein -
hier wo Leid und Freuden wogen, wags vergnügt zu sein!
Hier ist Hülle und Fülle - was willst Du haben?
Verwende - verwandle!
Fluss ist Genuss - Hab ist Verdruss.
Siehe den Schöpfer, beglücket im Schaffen, gleichet er nicht an dem
Brunnen dem Schaff!
Ists auch zerbrechlich, es brauchet was nimmer zerbricht -
ist es auch hohl, es schöpft unerschöpfliches Wohl.
Tausendmal täglich tauchts in die dunkelnde Tiefe,
hebt sie empor in den freudig funkelnden Tag -
tausendmal täglich geniesst es Empfangen und Schenken,
schöpft es und schenkt es die Well der dürstenden Welt.
So auch Du, ich, wir Alle, o Freundchen, sind beglückt
im Empfangen, glücklich im Schenken nur -
nimmer im Haben.
Gib und empfang - Habe macht bang -
Wallen macht wohl -
leb wohl!


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X

Ein treugetrostes Herz, das kommet nicht in Zwisst -
wohl dem, das mit sich selbst so recht im Reinen ist.
Hindurch durch allen nichtig nächtigen Streit
blinkt ihm ein Licht aus der Einfaltigkeit -
es winkt und blinkt, ein tröstlich stiller Stern,
den Wandrern allen, die der Heimat fern.
Ein Leitstern blinkt es durch des Elends Nacht,
blinkt wie ein Mutteraug in treuer Wacht.
In dem es glänzt,
der schaut den Grund der Welt - von Wissensdurst
und -wuste unentstellt.
In dem Es wärmt,
der baut im Wirrsalgraus sich doch ein stillgetrautes Heimathaus.
In dem Es lebt,
das Herze treu und schlicht ist unser aller heilig Heimatlicht.


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XI

Ist das Rad die dreissig Speichen?
Nein - es dreht sich um ein Loch.
Ist der Ton der Wert des Topfes - nit sein Hohlraum -
sags mir, Koch?
Und das Haus mit Fenstern, Türen, alles ein- und auszuführen -
denket mal, was wär es doch,
ohne Loch.
-    -   -
Müssens wohl schon gelten lassen:
Wert ist da, wo wirs nit fassen!


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XII

Wo viel glänzt, da wirst Du trübe - wo viel lärmt, da wirst Du taub.
Schenk, o schenke Dich der Stille, eh Du wirst der Wirrnis Raub!
Hüt Dich, dass das Hirngelichter Dir die Herzglut nicht erstickt,
das Gepack der Werkelwichter Dein Gemütruhn nicht zertickt.
R u h e -
ehe Du zerrissen, eh der Ekel Dich befällt,
eh ob all den Leckerbissen Dir zur Qual wird diese Welt.
R u h  D i c h  r e i c h !
Jagen und rennen die Leut nach Genuss,
glaub, sie rennen in den Verdruss;
aber im Tag voll Not und Mühn
muss dem Bleibenden Wonne blühn.


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XIII

Wer mir da huldigt, ich trag ihm nicht Dank - bin ich mein Werk?
Wer mich beschuldigt, der Tropf ist krank - bin ich mein Werk?
Wenn ich den Lobhudlern, Tadeldudlern glaubte, zum Ichwicht schrumpft
ich zusammen und Furcht kröche mir in mein Herz, denn ein Stücklein
müsst ich mich dünken, ein Stöcklein,
getrennt vom Baum.
Doch - ein Allwerk lieb ich in mir,
so verstolzt mich kein Lob -
ein Allwerk ehr ich in mir, so verholzt
mich kein Tadel - so kann ich,
könnt ihr mir wohl traun.


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XIV

Wer'S verstehen will - verstellt'S!
Wer'S begreifet - dem zerfällt'S.
Umsonst willst Du'S fassen - wag es zu lassen - und Du bist reich.
Lauf nicht nach - greif nicht vor - und auf springt das Nebeltor.
Weilend kannst Du'S grüssen, küssen, mit dem Fleissgen fröhlich fliessen,
mit dem Reinen munter rinnen in unendlichem Beginnen.
Schiel nit her, ziel nit hin -
und Du bist im Leben drin.
Lass gelassen Dich erfassen -
geh nur Dich tief zu ergeben, sonder Zag,
so wird heitrer Dir sich heben
Tag um Tag.


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XV

Ich ehr die Urahnen, unsre albernen Vorfahren.
Auf dem dunklen, dem einfaltgrohsen Grund ihrer Unwissenheit
glühte das Kleinlicht ihrer Weisheit beglückend auf -
von Scheingrössen unverblendet, fühlten sie
umso grösser und tiefer
das heilige Geheimnis.
Wie soll ich sie beschreiben?
Achtsam, wie das Wild des Winters über vereisten Strom setzt -
voll Spannkraft, wie der Hirsch, der im Kampfe steht -
teils kühl, wie der Fremdling,
und wieder hingebend, als wie schmelzendes Eis.
Ungehobelt rauh, als wie Hainbuchen, und wieder
hold wie das sonnvergoldete fruchtbare Tal ---
aber eben unbeschreiblich, unergründlich, wie
seines Stromes geheimnistiefe Gewässer.
Wer von uns Heutigen schimmert wie sie so heiterlicht in die Finsternis der Welt?
Wer löset wie sie in solch treutiefer Geduld das Wirrnis des Todes?
Sie lebten aus, webten aus T A O, so fühlten sie frei in aller Notwendigkeit,
führten sie froh ihr Leben im Kreis des irdischen Jahres.


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XVI

Ist Dir gelungen ringende Ruh -
Ringruh -
Alles in Allem -
Alsdann wallen und wellen, rennen und rinnen alle Wesen herbei
Dir zu dienen -
Aus fernen Fremden kommen sie, Dich zu begrüssen -
In Erinnerungen erwachen sie, Dir zuzujauchzen, weil Du heimgekehrt.
Willkommen im Ring!
So jauchzen sie,
W i l l k o m m e n  b e i  D i r  S e l b s t !
Nun ringst Du von selber - Selber im heiligen Sein,
Von-Selber leuchtet Dir auf sein Schein,
Von-Selber folgst Du dem Sternenrat
zu heimlich heiliger Helfertat.
Ringe, oh Du,
ringe in Ruh,
nimmer kannst Du verenden -
Ewige Lust wieg in der Brust,
weilend im eilenden Wenden.


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XVII

Einst gab es Könige - volle - die spielten gar keine Rolle,
Verstand -
bracht um den König das Land.
Zu Kopfe gestiegen, vergiftete ihn seine Macht -
protzige Mache die Folge. Darüber wusste und wisperte der
Leumund viel Hin- und Widerrede - und Hohn und Neid -
Lob und Tadel umschlich den prahlenden König, verfrass ihm den Wurzelgrund,
so muss der Kühne verzagen, so muss das Herz ihm versagen.
Von Furcht getrieben, trieb er sein Volk wieder in Furcht -
Herrschsucht muss alles verhärgern, verknechten, verzerren, verzanken,
und Glied um Glied muss erkranken.
-    -   -
Oh wachet, ihr heimlichen Könige,
Herz eurer Völker,
sie still und tief errgend und regelnd,
als regierten sie sich selbst.


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XVIII

Das Traun zu T A O, unserem Urgrund, verloren wir durch wirres Wissen.
Nun haben wird dafür Gesetze und Staatspuppen, wohlgesetzt,
mit Urteilchen zerteilend und zersetzend, was im Urgrund treu und gütig ist.
Die lebendigen Bande des Blutes, des Herzens, zerriss unser Wissen -
nun haben wir dafür tausend Grundsätze, Sätze und Satzungen,
tausend Verpflecht und Verpflichtungen, die unser Leben zerquälen.
Weil wir unserem ordnenden Urgrund nicht traun,
o wir Narren -
müssen wir uns mit Gesetzen zerfetzen und zerzanken.


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IXX

Leider keine Übersetzung


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XX

Fahr hin, Verstand, Du Mörder der Weisheit!
Verständig reden, anständig handeln?
Was taugts, wenns nicht lebendig von Herzen quillt?
Freilich, wag ichs, Dich zu verdammen, Du Gott der wägenden Krämerwelt -
bin ich verdammt.
Hah, ausgestossen, an die Luft gesetzt, in die sonnig lächelnden Einsamkeit -
oh Insel seeliger Innigkeit!
Leute, jah, plätschern in Oberfläche - turmhoch gehn die Wogen ihrer Feste -
ich aber sinke, sinke zum Grund des Gefühlsstroms,
ein Kindelein!
Leute begehren noch und noch - ich bin vergnügt im "Genug" -
sonn mich im "Nur".
Leute, die haben - ich bin ein Habenichts,
Leute, die wissen - ich aber bin albern, ungelehrt, ein Thor!
Versunken, versunken - umbraust und umblüht von der ewig wellenden Welt,
mitwallend, mitweilend, hingegossen, angeschlossen - immer von Herzen,
immer zum Herzen lebend, ohne Ziel und Zweck ---
Hah, unbeholfen an den Brüsten allgegenwärtiger Müterlichkeit hangend -
J a h - a l s - e i n - M e n s c h !


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XXI

Aus T A O stammt und flammt, was wahrhaft frommt,
was uns begeistert, weils vom Geiste kommt -
E S, E S nur ist!
Und nur was ist, nicht was wir setzen, ja, nicht Gesetz, Ge-ist
nur bildet und bindet den wonnigen Baum unsres Lebens -
lebendig, also unfassbar bindet Es.
Schal wird Gebilde, das nicht Bildung bleibt -
tot, was Verstand versteht, was Geist nicht weitertreibt.
Jah, Geist, das immer Fleissge nur sammelt die Säfte zusammen,
dran der Glaube sich nährt, das Glauben in T A O ---
Aber ins Wissen gerissen verdorrt sein Gelaube,
traurig verdirbt seine Blüht, seine fröhliche Frucht.
Oh Du, getrau!
Aufhört es Heimat zu sein,
was nicht Geheimnis bleibt ---
Oh Du, geh heim!


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XXII

"Was klein hält, wird wachsen."
Was neiget wird gross - o wonniges Wenig, du glückliches Los!
Das Viel ist das Fehl, ist der Kummer; die Fein - das Elendsein.
Allso der Grohse:
Das Kleinste erfüllend erreicht er die Welt -
zu scheinen vergisst er, so wird er erhellt -
sich selbst zu bereichern, das fällt ihm nicht ein,
wer aber kann ruhreich mächtiger sein?
Dem Innhalt ergeben erhält ihn das All -
wer brächte den innigen Grohsen zu Fall?
"Was klein hält, wird grohs"
- nur ein Spruch -
doch mehr als "Zuviel" ist
"Genug"!


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XXIII

Ach - ! Die langbangen Reden, Wahrheit zu beweisen, beweisen das Ihrfernesein.
Und was denn Wahrheit überhaupt, und feststehend?
Werden ist Wahr!
Lass werden Dein Wort - Versprechen, schon Verbrechen.
Kein Wetter bleibt gleich von Auf- bis Niedergang; der Wind, der aus
dem Weltall weht, wendet ohn Unterlass - so auch dich, oh Mensch,
der Geist, den Du nicht verstehst.
Darum lass ab, auf einmal gesprochenem Wort zu beharren,
dass Du nicht zerbrichst!
Walle mit, wandre mit, nicht zu verstehen, doch mit dem wallenden All
treu-freilich zu gehen, zu drehen.
Geh, vergiss Dein gestrig Wort, nimmer ists wahr, geh unter im
jetzigen Wahren!
Geh, aus dem Untergang einzig der Ausgang bricht -
geh, aus dem Dunkel lachet das Licht!


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XXIV

Ihr nichtigen Wichte -
ihr Allzugernegrossen!
Auf Zehen werdet ihr nit lange stehn,
beinspreizig nimmer lange gehn!
Ihr protzt mit Licht --- ihr Spiegler, ihr Gelichter!
Ihr prahlt mit Recht --- ihr brecht - ihr Splitterrichter!
Rechtbehälter, fort den Plunder!
Stolzholz, in den Ofen runter -
das ist Abfall, Kehricht, Schmutz,
Würmern vielleicht noch was nutz!


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XXV

Nah und weit wie das Himmelszelt, Allen umspannend, allso wölbt
sich das Eine, das ich mein -
das Allgemeine, Allumarmende,
Allesbergende, Allerbarmende Weltenherz.
So unzulänglich das Wort auch sei, ich rufe es T A O an.
Oh Gröhstes Du, im Kleinsten grüss ich Dich,
aus allen Fernsten grüsst Du mich -
Ewig da - ewig dort - T A O mein Hort!
Der Himmel in Dir, die Erde in Dir, und
Alles, Alles hier!
Den will ich König heissen,
der so kühn ist, in Dir
- aufzugehn -


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XXVI

"Aus dunklem Ernst glüht auf der Freude Stern" -
drum hat der Tüchtge die Beschwerde gern.
Er liebt die Last.
Er liebt die Bürde, die der Tag ihm bringt, denn
wuchtiger und würdiger wird so sein Tun
und also auch sein Ruhn. -
So fasst er Grund - so wird er wacker wahr - wird treu -
und zu ihm fassen Zutraun alle Herzen.
Doch wehe, weh dem Mann, der tänzrisch tändelnd lebet -
die Schwerde flieht, um leichter Lust allein zu fröhnen -
So muss sich lockern seines Kreises dunkel
guter Grund - V e r t r a u n -
und treulos, trostlos fällt die Volkheit auseinander.


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XXVII

Wackrer Wandrer kann gut weilen - wohl kann schweigen, wer gut spricht -
wer gut schreibt, zählt keine Zeilen - wer gut treibt, treibt ohne Keilen:
Scheinet, schimmert Äuch ein Licht?
Schaut den Erlauchten, schaut den Gelassnen, den Walther:
Weil unweigerlich in Treu und Ehrlichkeit, ehret und liebet ihn
Mensch und Tier, und statt ihm zu schaden, eifern selbst Verworfene,
wie sie ihm dienen.
So bewährt sich der Walther zu unserer Freude: -
Aber die Verworfenen,
könnt ich sie schmähen, da sie den Walther doch erst wert und erfreulich machen?
Drum Ehre dem Walther, doch Liebe auch dem zu Bewaltenden!
Oh Geheimnis der Eintracht!
Denn wie, ohne diese beiden, sollt uns das Trauliche, sollt uns die Liebelust,
sollt uns Gemeinschaft gedeihn?


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XXVIII

Wer wahrhaft kann, denkt nicht zu zeigen die Kraft,
er kann sich neigen ---
weibtumgepaart wird er zeugen, was Freude schafft.
Wer wahrhaft Strom, der wird strömen und also sein Strombett auch finden.
Tief und tiefer fallen und wallen wird er, nit hoch, höher sich stellen.
Wer wahrhaft klar, denkt ans Erklären nicht, aber im Dunkel bewähren
wird er sein Licht!
Ist er Licht, braucht er kein Dunkel zu scheuen, und je mutvoll tiefer
ins heimliche Dunkel er taucht, umso glutvoll heisser und heitrer empor,
blüht seine That!
Wer da wahrhaft grohs, der grühst auch das Kleinste mit Lieb,
und in die Thäler der Hütten steigt er voll Innigkeit -
ach, er vergisst sich, begeistert voll Sinnen und Minnen,
als wie die Mutter im Spiel mit dem Kind,
schmeckend ewiges Sein.
-    -   -
Wie? So wäre der Mann, den wir brauchen, der Starke?
Jah, den wir brauchen, der kraftvoll Grohse, lösend den Krampf -
innig lebendig erbauend, was Stärke starrstolz zerstörte.
-    -   -
Grüsset, oh grüsset den mildfesten Mann!


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XXIX

Gemeinschaft mit Gesetzen leiten?
Nein, Kinder, nimmermehr!
Gesetze zersetzen, Starrheit zerstört die Gemeinde.
Gemeinschaftleib, wie unser Leib -
er gedeiht, wenn die Glieder beschaffen dürfen, was Leibes bedarf -
was im Bund der Eingeweide erfühlt, und bei Herz und Hirn, dem
geweihten Paare, erkannt wird, und immer neu erkannt.
So kann leibhaftige Ordnung gedeihn.
Wer aber da ein für alle Mal verordnen will, heisse nur Verordner,
aber Ordner doch nicht!
Ordnung - festsetzen, halten, haben!? Oh Widersinn!
In Ordnung waltend webend, sein - jawohl!
Ja, Wechselfälligkeit bedarf unsres Lebens wachsende Ordnung -
hier vorgehn - dort nachgeben - hier wärmen - dort kühlen -
wachsam ihr Wachstum nachfühlen, nachdenken, nachlenken -
so will es des schönen Miteinanders lebende Ordnung.
Darum Ordner nur, wer selbstinnig neu und neu zu horchen,
also zu gehorchen weiss.


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XXX

Wer T A O nicht trauet, der König muss sich in Kriege verkrampfen.
Zwingend entzweit er, herrschend verheert er die Welt.
Grause Verwüstung folgt seinen Tritten, und seine Ernte sind
dorrendes Land und verdorbene Leute.
Aber dem T A O getrauenden König, dem blühet das Reich!
Ohn Machtgeprotz waltet er mächtig zum Segen des Landes,
ohn lärmend Getuh gehet von ihm die Tat,
wie von dem Landmann die Saat.
Und seine Ernte?: Rüstig im Lande leben seine Getreuen,
ohn Rüstzeug und Waffen - wohnen in stillen Hütten ohne Gepräng -
Aber von ihren Herzen und Herden erschimmert lächelndes Siegen -
Sieg - nicht Triumpf -
Sieg, der ein Segen ist jedem der naht -
Sieg in der Tat.


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XXXI

Du, dass in dem Rüstungsbetrieb Dir nit welke die Rüstigkeit!
Dass in dem Kramhag Dir Dein Kraftbehag nit verdorre!
Siehe den Walther:
Immer um rührige Kraft ringt er nur -
ringet den Frohen, den Freund in sich zu entbinden, tiefer zum
sieghaften Leben zu finden!
Wie könnte er grausam tötend frohlocken?
Wie sich des Rechten erfreun, gewonnen durch grässlichen Mord?
Hah, er will siegen, Herz ist sein Hort!
Links schlägt das Herze, rechts schlägt die Faust -
wohl Dir, der Du mit Beiden haust!
Aber die Rechte, die Linke allein ---
ach, schon hör ich das Wehgewein ---
seh zerflammen in Wirrwarrgraus,
Hass unser Haus.
Recht brauchet Link - und Link brauchet Recht -
biegt --- oder brecht - !


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XXXII

T A O, namenlos DU, doch Dir alle Namen entnommen,
ewig keimen und kommen alle Gaben aus Dir.
Mächtige Einfalt Du, Du innig einendes Alles -
der nur ein Walther, der heiss erkennend Dir traut.
Zu ihm wandeln die Edlen, mit ihm zu wohnen - ihm zu,
ihm zu, schlagen die Herzen all.
Walther getrau!
Und still und insgeheim wie der Thau in der Nacht
thauet das Glück aufs Gefild Deines Volkes. - Ungreiflich geisternd,
als wie der Sonne zaubrischer Strahl, gehet schimmernd von Dir
T A O's ordnende Kraft.
Walther getrau!
Und wie der Himmel die Erde mit Regen durchschauert, rinnet
Dein Segen hinein ins durstende Menschenvolk.


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XXXIII

Andre lehren, aufklären? - Ach, das verheeret die Welt!
Oh wie so klug Du die Anderen lehrest, sie zu bekehren
zu Weisheit und Recht!
Ach Du verkehrst sie - lasse die Andern - leben im Licht, das Dir aufging,
das blinket von selbst und wärmet von selbst auch die Andern -
Und siehe dort, siehe da,
so mancher hebt sich zum Wandern ---
Wandern, wohin? - Nirgendhin - Hier wandelwohnen -
hier wo ich tief walleweil,
Hier treffen sich alle die Zonen.


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XXXIV

Mit dem blauen Zelt des Sonnentages
neigest und beugest Du mütterlich um uns alle Dich,
Urtraum Du,
mit dem Blut unsres Leibes
rührest warmblühend Du in uns Allen Dich.
Mächtigstes Du, doch nimmer herrisch,
nein, die Bescheidenheit selbst.
Still ohne Schüchternheit, gross ohne Stolz -
der Edle grünt aus dem selben Holz.


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XXXV

Wandrer - wer ist's?
Freih wie der Wind, wie der Sonnenschein,
so - tritt - er - ein.
Wir fragen woher, wir fragen wohin? Von hier, heisst es heiter, gradher
wo bin ich!
Gibt frisch uns ein Lied, einen Ohrenschmaus -
Wahrhaftig - sind wir, oder er hier zu Haus?
Wir fragen, wir drängen, wir wollen verstehn ---
da sehn wir schon ferne den Wonnigen gehn.
Doch in uns fühlen wir uns selber bewährt -
uns Alle hat seine Nähe genährt.


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XXXVI

O Mensch - Du scheingeblendet - wissensblinder Du,
Du neidest - Du höhnest - still doch, gib Ruh!
Was denn so nichtig - was denn so wichtig?
Dein Gewichte betrüget Dich - Eines wäget am Andern sich.
Last an der Lust und Lust an der Last -
wohl Dir, wenn Du das recht erfasst!
Klein schafft das Grohse und Grohs schafft das Klein -
Du lebe traulich mittendrein, nur zu leben beflissen!
So wie der Fisch in der Wasserflut
bist, oh Mensch, Du in Treu nur gut,
und verdorrst in dem Wissen.


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XXXVII

Ruhlich aus T A O rollt alles Geschehen - TAT und TOT -
Auf und Ab -
Es in Allem - Alles in Ihm.
Kein Einzelnes ist, darum was soll all das Sichrungsgetuhe,
das uns die Freundschaft zertut?
Oh Menschen - Männer -
lasset das bange Betreiben, waget zu bleiben,
und trauliches Tun rinnet aus euren Ruhn.
Ach in dem kalten Eilen erstarret des Wohlseins Well,
aber aus wonnigen Weilen rinnet des Wohltuns Quell.
Allso, getrost, getreu, zu bleiben getraut,
und lieblustiges Leben jauchzet durch unsere Lande.


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XXXVIII

Wie Wasser durch Kälte zu Eis erstarrt - dasselbe, ja ganz dasselbe -
wird Leben durch Lehre zu Geits vernarrt - dasselbe, ja ganz dasselbe!
Hah, hochwohlweisliches Tugendgelehr -
gelehrt ist die taugliche tüchtig nit mehr!
Geübtseinsollendes Gut wird schleichender Lüge voll,
selbst die Lieb wird zum Dieb, entwendend mir den,
den ich lieben soll.
Oh Moraliste, dein frostig Fordern, das düstre, zu heitrem Fördern
kanns uns nicht gedeihn.
Skrupelkrank aschst Du das Hirn, machst Mördergruben aus unseren Herzen -
Deine Methoden, die toten, voll blutlos herzloser Lehren, kränken uns tief.
Nimmer hauchen wir frisch und freih, wies im Innern erwellet,
heucheln gewissensscheu nur wie die Lehre verlangt -
oh ja, gefällig, hübsch sittsam nur mischen wir unsrer Falschheit Gifte,
oh so "pflichteifrig" lieb, dass vor der "Liebe" mir bangt!
Bah, von dem "Gutsein" mehr kein Getut!
Herz heraus, Scherz heraus, das schürt die Glut -
ernstheilge Glut!
Aber, wenn wir so "gutseinwollen" - braucht uns die Hölle nimmer zu holen,
sind ja zu ihr schon ganz recht auf dem Weg,
den der verteufeltste zwistigste Bastert listig gepflastert:
"Mit guten Vorsätzen" - Jawohl!


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IXL
Leben ist nichts als ein einzig grohs Miteinander!
Allso hinein!
Sonne und Mond und alle Gestirne
sind mit darein in dem Ruhringereihn ---
Jedes auf seine Weis - ringelet mit im Kreis,
hält sich gering, das gibt Geling.
Aber wer blöde sich blähet, kann nicht herein, er muss platzen -
purzeln muss, wer auf Stelzen geht, anstatt dass er auf Sohlen geht -
purzeln muss, wer auf Kopf besteht!
Herz führt den Tanz, nit Prahlhans - führet ins runde, tiefruhende "Ganz" -
herzhaft Haupt, das liebend glaubt ---
Dies ist der Eingang zu gröhsten Bereichen,
Kleingang sein Zeichen.


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XL



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XLI
Der Edle höret T A O und gehorchet hingegeben ---
Der Weise siehet seine Spur und folget ihr halb und halb -
Der Kluge gar aber, der spottet darüber und macht ein hönisch Gelächter,
weil sein Verstand da versagt.
Höhnet er nicht, dann ist er nicht "klug" oder ist nicht T A O im Spiel.
Jah, höhnet nur, ihr Verständler!
Der Edle - na lachet - der gleicht einem Loch, der Elende einem vollen Trog.
Der Eine lässt gerne aus und ein - der Zweite möcht immer Behälter sein.
Der Eine ist offen für Sonn und Graus - der Andre wünscht sich nur
Glück ins Haus. Es kommt auch, schau, schau,
eine Sau, er hat Schwein - das futtert ihn aus und ihm bleibt die Pein.
Dem Einen, dem Edlen, dem bleibt immer doch
sein luftig, sein lustig allahtmendes Loch.


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XLII

Heiter aus T A O dem Einen zweiget die Welt:
A und O - Mann und Weib - ihrer Ehe enttauchen alle Geschöpfe,
dem Ureinen entsprungen springen Alle allher.
Allso dreht sich und dreit sich im Hochzeitstanz die ursprüngliche Welt,
quillet lebendig und spriesset das ewig Dritte, das Kind aus dem Bunde,
hüpfet voll ahnenden Hoffens hinein in das offene All -
aus T A O hüpft es, aus heilger Gelassenheit.
So auch der Edle, aus Urgrund geboren, ruhet und tut er gelassen,
starrt nicht in Todesflucht, stört nicht durch Tatensucht.
Willig lässt er die Rede gehn, wohlig die Tat geschehn.
Solche Weise hier und dort zu beleben, das wär vor allem der Wert
seiner werdenden Worte.


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XLIII
Stärke, die starre, ist nimmer das Mächtige auf Erden -
aber der Fleiss, der fliessende ists, der weibliche, weiche -
Hartes Gestein durchlöchert das flüssge Getropf ---
Was kann dem Flusse der Stein?
Welches ist mächtiger?
Allso waltet krampflos der kräftige Walther,
still überzeugend ohn viel Gered und Getuh -
lehret durch Lernen,
lebt durch Verzicht -
Er, der Gemeinde köstlichstes Licht.


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XLIV
So spricht ein Weib: Gold, was liegt dran? Bin ich bei ihm,
dem goldnen Mann, dem Mann voll Mut und Leben -
bei ihm und wär er bettlergleich -
hah, kaltes Gold macht nimmer reich -
machts Herz voll Bang und Beben!
Drum, wenn mich einer freihen mag,
so mag an unsrem Hochzeitstag,
um sonnengoldnes Leben,
ers Gold der Hölle geben.


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XLV
Hör auf -
fall heim - verstiegne Welt!
Jah! Grösse scheint freilich dem Hochmut oft klein,
gleicht sie doch oft einem Sämelein,
hinschwindend, versinkend, bescheiden im Grund,
dem Neunmalklugen wird nimmer sie kund -
der sieht in des Sehens, des Wissens Bann
ihr heimelig heimliches Gründen gar leichtlich als Narrheit an:
weil er ja nit schauen kann. -
Sie kommt nie vollendet, vollkommen rund, blüht grossmutheiter,
von Herzensgrund, zur Welt uns ihr Sonngesund.


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XLVI
Wenn wir genügsam in T A O wandeln und wohnen,
reitet das helle Vergnügen durch unser Land.
Und die dunkle, dungende Erd fahren unsere Rosse.
Aber, wenn ohn Es wir habebang, gierig eilen statt weilen -
reisst das Verderben die Häuser uns nieder,
und unsre Rosse zerstampfen Gärten und Felder.
Gier ist der Mord.
Saht ihr den herzlosen Sämann, den hagern, den giergesichtigen, kalten,
sahet ihr stapfen durch steinerne Städte ihn?
Geld seine Saat.
-    -   -
Oh, so pflanzen das Korn wir und pflanzen freundliche Bäume,
und auf Du und Du mit Frau Not leben wir froh in Geduld.


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XLVII
"Genügen" ist der Winkel,
in dem die ganze Welt,
wir nit blos bestens schauen, denn auch allbestens bauen -
tiefein im Heimatzelt.
Hier durch mein Hüttenfenster, durch meine Hüttentür,
bei meiner Bäume Schweignis wird alles zum Ereignis -
Stein, Blume, Mensch und Tier.
Hätt ich Begebenheiten wie bei dem Tor der Stadt,
mein Hören und mein Sehen müsst ob dem Wust vergehen,
betäubt, geblendet, matt.
Drum lob ich mirs Ergnügen und wandr ich auch hinaus,
bleib ich, so recht dickfellig, nur Wenigen gesellig,
doch - wie ein Schneck - zuhaus.


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XLVIII

Jah, ihr Gescheidten,
weit seid ihr gekommen, und immer weiter kommt ihr vom Geist,
dem ewiglich Nahen.
Habet herumgestöbert und herumstudiert - habet euch dick und fett
gefuttert mit alledem Wissensstoff, nun seid ihr voll und verstopft
fürs urfrisch geisternde Jetzt.
O so verdauet doch!
Habet gegessen, nun lasst euch vergessen - vergeisten lasst nun,
lasst ruhen - lasst ruhn!
Wärt ihr "Geleerte", wie man euch spottet, das wäre erfreulich noch,
aber gefüllt, überfüllt, Verstopfte seid ihr -
Allso verkleistert könnet ihr freilich euch nit und uns nit begeistern -
fern seid ihr T A O und fern den Eintrachtheiteren Meistern.


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IL

Nein, nie glaubet der Edle, dass man ihn schmähet -
wie auch die Zungen wackeln, wie auch die Mäuler schrein -
nein,
aus seiner Eintracht Wohlsein lässt er nimmer sich reissen,
irren sie doch, die ihn Werweisswas heissen. ---
Mit sich im Reinen -
traut er der Welt.
Grün aus dem Grunde sprosset sein Urvertraun,
grün ist er Allen, grün auch den Graun.
Ist er durchdrungen doch:
"Frühr oder später horchen sie dennoch, und schaun in Vertrauen auf
als wie Kinder zum treulichen Vater".


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L

Am Leben hängen, heisst dem Tod verfallen -
Den Tod nicht fürchten, heisst im Leben wallen -
-    -   -
Drum lass und leb, oh Mensch!
Und das Rhinozerross hat sein Gehörn umsonst vor Dir,
und umsonst und für nichts seine Pranken das Tigertier,
und der Soldat, er wüsste nicht, was ihm sollt sein Spiess,
vor Dir -
der dem Leben sein Leben liess.


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LI

T A O -
fröhlich sprudeln aus Dir alle Quellen,
heiter hüpfen aus Dir die wilden Geschöpfe,
und Dein mütterlich Leben nährt und erquicket sie alle,
weil sie unverwusst wohnen in Deinem wonnigen Schoos.
Aber wir Menschen - oh sind wirs?
Wir traun nicht, wollen wissen, statt Dir zu danken für Dein getrauliches Du,
Deine dunklige Ruh.
Oh, dass wir trauten und säten getrost in das Dunkle,
und aus dem Dunklen sprosste heilige Blust,
blühte hellheile Lust -
Innigkeit reifte, es reifte der Weisheit Frucht - reifte ein urfrisch
freundliches Leben. -
Unverwusst wieder würde von Herzen springen der hellsprudelnde Quell
allerquickender Liebe.
Oh, dass wir trauten - und Wohlsein mütterlicher Urheimlichkeit
umarmte wonnig all unser Leben.


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LII

Mütterlichkeit ist Wesen des Lebens,
drum kommt nur Kindheit zu ihm. ---
Wer das empfindet, lebt geborgen alswie ein Kind im Mutterschooss.
Oh, wer das findt, dem wird geboren ein wonnigliches Menschenloos.
Anpressen - fest ansaugen - hier, hier an der mütterlichen Allgegenwart
wunnig nullen - da, da - nur, nur - und nichts andres wullen.
Das, das ist Halt und Heil und Leben.
Aber selbstherrlich den Mund auftun:
"Ich will - ich weiss - ich kann - ich bin ein starker Mann!"
Oh weh, das musst haltlos auseinanderfallen, ermatten muss es,
ermüden, verhungern und verkümmern.
Denn die Zitzen des Lebens sind winzig klein,
ein Grossmaul kann sie nicht saugen.


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LIII
 
Oh Euer Prangen und Prahlen, Ihr Herumregenten -
macht nur gierig das Volk, und giftet mit Neid sein Herz
und sein Hirn mit Misstraun und Lüge -
Euer herrisch Regieren verhergerts nur, und bringt es nur ausser sich
und ausser die Ordnung.
Statt trauter Heimpfade, statt Gärten und Felder, treu gepflegt, und:
Redlichkeit -
gleissende Chausseen und protzende, gleissnerische Hofhaltung,
unheimlich weite Paläste und:
Verlogenheit.
Jah, wo man nobel tut, da kann das Edle nicht wohnen -
und wo der Luxus prasst, da wird das Heimlicht erstickt.
Oh "Herrschaften" Ihr - !
Schmeichler - Heuchler - Diebe - jah Mörder - freut Euch, sind Eure Freunde,
aber T A O's heitre Gesellen, die Herzhaften, müssen Euch fliehn.


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LIV

Weit rinnt ein Quell, des Ursprung Keinem kund -
weit wirkt ein Mann aus heimlich dunklem Grund -
ein treugetroster Mann.
Aus einem Heimkreis geht ein Segen aus,
der dauernd die Gemeinde hegt und hebt.
Ohn End wirkt weiter stets sein minnig Mahnen,
zeugt durch die Welt - entzückt das ganze All.
Der wird ein wärmend Licht,
der sich ins Licht nicht stellt -
der, dass er stürze nicht,
freih zu dem Heimgrund fällt.


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LV

Als wie ein Kindlein geht durchs Leben, der da in T A O geht.
Tief in die Wiege des ewig wiegenden Lebens gebettet,
scheuet es nichts -
nicht der Tarantel Stich - nicht der Wildkatz Gekrall -
noch des Falken Gefäng -
Entgegen allen Gefahren strecken sich seine Greifhändchen -
hinein in die Wildnis der Sinnlichkeit recken sich hungrig
all seine Sinne,
einzuleiden, einzulieben ins kleine Menschlein die ganze grosse Welt.
Es schreit, und schreit hinweg, was es schmerzt,
von selber kräht es,
nicht heisser, heiter kräht es sein Seelchen -
von Selber -vonselber!
So gehet, der in T A O geht ---
Dem Selbstling aber, dem Süchtigen, geht das Selbst,
das seelige Kindlein verloren.
Verstand bleibt übrig, der traurig selbstherrliche
"S t a r k e".
Da steht er - gestört, verärgert, ausser sich gekommen,
ach, aus dem Häusel geraten, blass vor der Tür ---
Wetter zausen an ihm - er geht nicht hinein -
Hunde springen ihn an - er geht nicht hinein -
Menschen kommen: "Geh doch hinein! Mensch!"
Er stiert, er starrt - er ist tot.


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LVI

Der wahre Freund ist kein Erklärer,
der Redliche kein Rederich -
erkennend, erahnend die wirklich helfende Stille, lärmet er nimmer -
innig beflissen, den Wirrwarr zu schlichten, das Krause zu lichten,
vergisst er beweisen -
und sie begreifen ihn nicht, die geschäftigen Leute, heissen ihn faul,
heissen ihn gar noch den Feind.
Ihn kränket es nimmer - nein, er verteidigt sich nicht, unser Freund;
schwingt seelig gemein, gesellig Allein - er in der Wirwelt
traulichem Reihn.


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LVII

Jah, um ein Volk zu verderben muss man glänzend geschliffen,
gewandt sein in allerlei Kniffen - muss mit den Titeln locken,
muss mit den Strafen drohn ---
aber ein Volk wohl zu leiten, muss man nur herzlich redlich sein
und - nichts - weiter.
Stell ich das auf? Oh das stellt sich von selber, sichtbar genug
sich täglich und stündlich vor Augen.
Da, die Verbote, sind sie es nicht, welche den schleichenden Schwindel
geradezu züchten?
Und die Statuten, stehn sie nicht gerade der, freilich nur freien,
Ordnungsliebe im Weg?
Oh die Verordnungen, sie sinds, die uns die Ordnung verderben -
und die Gesetze, sie sinds, die das Verbrechen uns ziehn!
Darum denkt der Berufene, der redliche Walther:
"Ach was, ich drücke ein Auge zu, und manchmal auch beide".
Und siehe, das Volk, ermuntert im Innern, eifert von selber, innig und einig zu sein.
"Ja, ich erlaube, meine Erlaubnis umkränz grüngrüssend die Lande"!
Und sieh - fest und fester in sich schaltet und waltet sein Volk.
"Spielet nur, Kinder, mische mich nicht in all Eure Spiele!"
Und, in des Zutrauns Sonne erblühet das Volk und trägt reicher und reicher
der Freundschaft köstliche Früchte.


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LVIII

Wie herzfroh redlich regt sich das Volk, des Haupt ihm getrauet
und es willfahren lässt -
aber wie traurig müd schleicht es dahin, durch Gesetz-Gespitzel verhetzt
und im Grund, im Vertrauen verletzt.
Wer denn könnt so gesetzlich sicher sagen, was taugt?
Muss nicht geirrt und probiert und geprüft sein, was freuet und frommet?
Das Überhaupt-Gute - wer wollt es bestimmen? Wer?
Das Gute zu Diesem, zu Jenem das Gute - gesucht, versucht muss es sein!
Aber das Leben auf noch so gerade Sätz und Gesetz ziehen wollen,
wie krampft sich das krumm!
Darum ein Haupt, ein wahrhaft Haupt des Gemeinleibs lässt sie ruhn,
seine Glieder und lässt sie auch Sprünge machen -
Zwingen?
O nein - Zuwinken reicht, dass sie achten -
Und von selber wird das Eckige ründer, heitert das Trübe sich -
Und aus entsetzlich hirnfrostigem Graun,
tauet auf, blauet auf, herzfrohes Traun.


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LIX

L a s s e n,
Mut Du heiliger Enthaltung,
Entfaltung unsres Wesens ist Dein Preis,
und unsres Geistes heitere Gestaltung -
wohl uns, wenn einer recht zu lassen weiss!
So sammelt sich von selbst sein Sam, der Leben zeugt,
von selber fasst er Wurzel in dem Grund -
so kommt er heim, und heimlich kommt und keimt empor sein Stamm,
sprosst auf sein Volk - blüht auf des Menschseins weit und breit
verzweigter Baum. ---
Oh Mensch - o lass - lass werden!


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LX

Vermesse keiner sich ein Volk zu führen, der uns kein Mahl bereiten,
kein Feuerlein uns schüren kann!
Wie - stellt - er - sich - an - ?
Ist er auch zärtlich genug, den Funk, den neugeborenen, in Streue zu betten,
mit Öl ihn zu salben, bis er zur Flamm ihn genährt, die um den Kessel fährt,
drein die Speise uns brodelt?
Würzt er das Brot auch mit der Würze: Freundesgedenken -
mit jener Wunderwurzel, deren Kraft die öde Speis uns erst zum Wohle schafft -
zum Heimatwohl -
zum Eintrachtmahl, das Freundesfreude nährt, den Feurer wohl als Führer
uns bewährt? - ? - ?


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LXI

Gross kann ein Volk nur in der Tiefe werden -
als wie ein See -
Hinrieseln alle Tropfen zu den Tiefen,
die Bäche alle rennen, rinnen hin,
die Flüsse alle kommen hingeflossen in hingegossner
Eintrachtseligkeit.
So auch die Völker alle zu dem Stillsten, Tiefsten, Weiblichsten.
Weil es sich untenhält, wirds Unterhalt und frohe Kraft
und Nahrung vielen Völkern. ---
Stell dich nicht hoch, o Volk,
sonst muss dich Neid zernichten -
halt klein, halt tief, so wirst Du - bist Du gross.
O Menschen, Völker, ehret wahre Grösse, wehrt wahrem Wohl,
dem tiefen Muttermut.


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LXII

T A O
Du Heimat Aller!
Doch die Behäbigen, Gesetzten,
in Sattheit verschlossen,
finden Dich nimmer.
Patzige Reden,
protzige Taten -
Zeichen sind's, dass Du fehlst.
Aber dem Menschen,
der hungrig und durstig
lieber im Elend wandert,
als um Geld seine Seel zu verstellen -
dem sprignen allda Deine heimlichen Türen auf:
blühn Deine Bäume,
glühn Deine Früchte,
o dem lachet Dein Garten frohlockend entgegen! -
Jah, dem Entschlossenen tust Du Dich auf.


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LXIII

Oh so vergeschäftelt doch nimmer des Schaffens heilige Freude!
Oh so verschwätzet das Leben nicht mehr!
Waget zu ruhn!
Aus Schweigen nur zweiget Freundeswort und werk, aus Ruhn sein Tun.
Zuwas? Wohin? Warum so viel Gezappel?
Nur Narrheit drängt ins Hohe, Weite, Viele -
im wonnig Wengen lebt der Weise reich.
Und kommt das "Glück", nach dem die Leute jagen - Er-kanns-ertragen -
Doch kommt Frau Not, auf tut er weit sein Haus,
zieht ihr den schweren, schwarzen Mantel aus,
mit harten Mühn -
doch um so lichter blüht sein Heil ihm draus,
sein Glück, sein Glühn.


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LXIV

Klein? - Was ist klein?
Der Riese, der Zwerge höhnet, der ist es - der Zwerg, der Riesen beneidet -
jah! --- Klein ist der Neid der Rohn - nit die Bohn.
Schrittlein sinds, die uns führen rund um die Erde,
Steinlein sinds, die uns bilden den mächtigsten Bau.
Oberflächennarren sind wir, achten wir Maase und Masse klein oder gross.
Wachsen ist gross!
Hier, der winzigste Sam schwellet und quellet,
keimet und bäumt aus dem Grund er nicht hoch auf
zum wuchtigsten Baum?
Und er, der Baum? - Wozu breitet und spreitet er seine laubigen Zweige,
atmet und sauget durch Laub und Wurzelwerk er
alles und alles?
Nur um den Sam, den winzigen Sam.
Wo ist ein Kleins? - Alles ist Eins!
Allso auch Wir, kein Zweites scher uns, Geselle - innig nur ein,
und sonnig glüht uns die Welt.
Nur innig beginnen! - Eins aus dem Andern, von selber kommt es,
es macht sich -  willst Du es machen, dann Du, zermach es nur nicht!
Selber fasset es Grund und keimet und kommet von selber,
freut sich des Lebens, labend uns insgemein ---
Uns bleibt nur Innigsein ---
Gross auch im Klein!


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LXV

Alle die wahrlichen Führer, weil T A O sie ahnten und ehrten,
ehrten im Volk auch der Einfalt heitere Ruh -
blendeten nicht mit Wissen
sich selbst und die Ihren:
Allso führte sie treu der Treue heimliches Licht.
Aber Heimaträuber sind die Geschäftgen, Gescheiten,
die Verlogenen, Klugen, Mörder der Heiterkeit.
Oh so lasset uns, Freunde, die Herzglut der Echtheit nur schüren,
und das heimlich Heitere, das Warme, es blinkt -
Ach nicht zerwissen, zersehen die trauliche Treue!
Horchen und schauen und trauen - und alles Grauen versinkt.
Wissen versinkt,
und begeistertes Leben entspringt!


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LXVI

Seh - die Tiefe nur sammelt lebendge Gewässer,
und die Seele, die tiefe nur, wird vom Leben geschwellt -
hoch gestellt muss sie verdorren! -
Freunde bedenkt - denkt an die Fordersten, Frommsten -
waren sie nicht die Untersten, Letzten im Land?
Bettler und Narren nennt sie der gleissende Pöbel,
bis sie ihr Volk endlich als Heilge erkannt.
Oh der Getreue - wie auch geschmäht und scheinbar verachtet,
achten und athmen doch Alle sein helfendes Sein -
ihm zu, ihm zu, sinnet und sucht unser Sehnen -
niemand verletzt ihn - den letzten
tiefsten Getreun!


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LXVII

Hah, der Narre, der Sonderling, höre ich euch mich benamsen.
Sonderling, jah, von all dem sondernden Treiben,
alle dem trüben Herren- und Knechtebetrieb!
Narre, jawohl, in diese Weisheit vernarrt:
Leben ist alles eins,
nichts geht verloren,
wie ich es lasse, wird es geboren!
Allso geborgen wall ich in Ruh, wohne mit Allem auf Du und Du.
Und ihr, eure Weisheit, ihr Gemeinschaftlinge, ihr Klugen?
Ich leb, wenn ich hab,
drum Haschen und Fassen
und Neiden und Höhnen und Hetzen und Hassen.
So ist denn die Hatz euer Schatz, den lasst doch lieber der Katz!
Und schaut doch mal, ob die "Narren" nicht besser unsre Gemeinschaft
ernähren, und schaut, ob die "Sonderlinge" nicht grade die
Freunde uns sind!


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LXVIII

Wer da als Hauptmann taugt, will nicht den Kopf durchsetzen.
Ein tüchtger Kämpfer zankt sich nicht herum -
und mutig ruht, wer wahrhaft kann besiegen.
Nun horcht einmal nach Eurem Hauptmann um!
Und habt ihr ihn mit Eurer Lieb gefunden,
dann hebet ihn auf Eures Herzens Thron,
er heilet heiter alle Eure Wunden,
Er, er, des Lebens urgeheimer Sohn!


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LXIX

Sieger, wer ist's?
Er lebt auf dieser Erden getrost als wie zuhaus
und flieht nit vor Beschwerden in Schwindelgraus!
W a h r h a f t i g k e i t !
Das, das ist der Wert des wirklichen Siegers,
das, das ist des Menschenmannes Wehrhaftigkeit!
Jawohl der Mann, wallweilend treu und dreist,
der wird ohn Krieges Dampf und Krampf und Waffen
fortwährend siegen, denn er schiesst mit Geist ---
mit heilger Begeistrung führt er das Heer seiner Freiheit-Gefühle,
jenseit der Frechheit hochherrlichem Knechtegewühle!
Umbringen?
Nichts!
Aufbringen, auf aus der Grämerpein den sonnigen Mann!
Sagt - saget an:
Wer wird wie der so sieghaft, wer so gewinnend sein?


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LXX

Leicht zu erkennen wär, was ich mein, und leicht zu erleben -
aber die Wissensgierigen, nimmer erfahren sie, nimmer das Meine,
allzusüchtig suchen sie sich und Sich,
liessen sie sich und mich, sie fänden das Allge-Meine ---
Ja, nimmer erfährt der Verstand die warmwellende Seele,
das glühende Selbst, das seelig der Geist nur erkennt.
Verstanden - bin ich verloren -
begriffen - ist nichtig mein Wert.
-    -   -
Hüll tiefer mich in dein Dunkel, mein härener Mantel,
vor dem Verstandenwerden o hüt mich, Du,
der Weisheit, der "Narrheit" Gewand.


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LXXI

Weiser, der denkt nicht zu wissen - darum weiss er wohl zu denken.
Und Denken, das ist und erhält gesund -
weit - frei - froh -
Wissensdünkel aber ist und macht angstig eng, macht krank.
Drum fort den Dummkopf, Dünkelstopf -
und Weisheiterkeit, Dankbarkeit
durchströmt begeistert unsre Leiber!


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LXXII

Lebensmut - Wissensangst -
Entweder - Oder - !
Wissen bewahrend schliessen wir Weisheit aus. Drum auf, mein Haus!
Lang genug in der Dumpfheit Saft, in der Frechheit der Wissenschaft,
hockt ich befangen - nun wird gegangen!
Not komm herein - lös mich von Neides-Pein -
komm, lass uns ringen!
Lös mich von Wissenswust; Notwendlust,
Lebensblust lass mir gelingen!


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LXXIII

Aburteilen?! Halsabschneiden?! : Ruchlose Schwachheit!
Erkennen und leben lassen: Ruhreiche Kraft!
Wer, was denn böse? Wer wagt zu entscheiden, wer kalt überlegen zu richten,
wer, verbrecherisch frech hinzurichten? - Wer?
Er richtet sich selbst, vergiftet uns alle.
Auf Totschlagen mit "Recht" folgt Totschleichen mit "Schlecht".
Das Schlecht aber fasset Ihr Richter nimmer,
es löset sich nur, so Ihr lasset das "Recht", vergewaltigend Alles.
Löset sich nur, so ihr weilet in treulichem Walten, in wallender Treu,
immer neu.
Ja, mutvoll ruhet der Edle - er trauet - horcht und durchschauet
die ruchlose Tat - ehret notwendige Folge, so löst sich der Krampf -
löst sich verworrener Mut - heilet die Wut.
An ihm richten sich auf die gefallenen Kranken, dankbar erahnend:
"Keiner entgehet des Schmerzes nötiger Rute,
nichts entweicht dem alles durchrichtenden Netz!"


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LXXIV

Durch Todfurcht denkt ihr Gesetzgewaltigen das Volk in
Ordnung zu halten -
oh Tohuwabohu, oh Mördermoral in Euren Gehirnen!
Todfurcht ist ja, die uns die Ordnung verwirret!
Liebmut - Ehrfurcht vor Leben ist's,
die uns die Ordnung erzeugt.
Ordnungskraft webet in jedem Wesen -
zu d e r  traut, auf  d i e baut!
Aber wenn ihr mit Zangen des Zwanges die Seelen in Todfurcht zerret,
schneidt ihr Euch, hütet Euch, selber ins Fleisch!


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LXV

Warum gärt es im Volk? ---
Warum verfällt es der Gier und den Räubern?
Weil die Herren am Ruder selber zuviel stibitzen - zuviel verprassen -
weil sie selber zu habgierig sind!
So muss es gären, ärgerlich gären, bis oben und unten zusammenfliesst -
und Alles lebt und geniesst.
Wollet doch leben - allso lasst leben - irren und streben, lasst gehn,
laufen, tanzen und drehn!
Erpicht ist der Wicht,
dem gelingt kein Licht.
Lasst springen -
so kanns gelingen!


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LXVI

Weich und geschmeidig tritt der Mensch in das Leben ---
stark und erstarrt vergeht er, stirbt er dahin.
Siehe die Bäume, die Kräuter und alle Gewächse,
in dem schaffenden Wechsel schaffet ihr Saft, blüht ihre Kraft.
Was wär der Baum ohn die flotten, die flatternden Blätter?
Was wär der Mensch ohn sein immerwährend Geflut -
sein flüssig fleissiges Blut?
Über all das stolze, starke Gewaffen,
sieget des Lebens liebefleissiges Schaffen!
Merkest Du wohl?
Allso beuge Dich, beug Dich, Du Starker im Reiche -
huldigt dem Leben voll wechselnd wohnender Weiche -
lass, oh lass den allzerstörenden Stolz -
oder - verholz!


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LXVII

Dem Nachbar sah ich zu bei seiner Töpferscheibe -
Bewegung durch und durch -
Hier höhlt, dort füllte er; hier hub, dort drückt er nieder -
wie wuchs aus ungestaltem Klump so ebenhell die Schal aus seiner Hand!
Rund ruhend lag sie da.
An Mutter Natur musst ich denken: in ewger Bewegung
lichtend des Wirrsals Weh,
lösend die Ballen, bildend aus allen, krausen und graden,
die runde Welt.
In währendem Weben, gleichend Füll und Mangel,
Lust und Last - die Beiden innig zum Dritten rundend,
Alles gesundend.
Und wir Menschen? --- Wir häufen Fülle bis zum Übel,
verringern Mangel bis zur Kümmernis - so uns und alle Teile kränkend.
-    -   -    -
Wann lassen wir den Überfluss zum Mangel fliessen,
des Lebens Hochgenuss tief zu geniesen?!


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LXVIII

Nichts schwankt und wankt wie Wasser in der Welt -
was aber, was, ist mächtiger als das Weiche?
Es hüpft hinab, hinan, es rennt und rinnt -
wer ist der harte Mann, den's nicht gewinnt,
das holde Kind?
Es wellt und wallt, wogt auf und wuchtet an - wer ist so stark,
dass er's bestehen kann?
Das Mächtigste ist Es, das Allbewegte.
Mann weiss, mann siehts und dennoch - Keiner kann es nach ihm tun -
Es - tut - von - Selbst.
Drum wird der Edle nicht bestehn - übt gehn
im mächtigen Untergehn.
So wird er Held, so heilt die Welt -
die angstkrank stolztolle Menschenwelt.


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LXXIX

Ein jeder Buckel muss sein Packen tragen -
und jeder braucht zur Lust auch seine Last. ---
Wer da vom Buckel schiebt, dem schwert es Hirn und Herze -
so oder so - die Last wird nicht geringer.
Drum schiebt auf andre Schultern keine Schuld der Wackre -
auch findt verschobne Schuld an ihm nit Halt.
Er trägt sein Teil.
Mag gerne alles für die Treue tragen -
nur Trug bedrückt ihn,
er lässt ihn fallen.
Was sollen - wollen?
Er lebt liebefrei.
Was Pflicht?
Er pflichtet seinem Herzen bei.
So trägt er treugetrost -
das All mit ihm.


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LXXX

Schau da ---
ein karges Land voll reichreichen Menschen ---
Kuriose Geräte liegen da zur Mahnung gewesener Zeiten,
verwesender Zeiten, voll Flucht und voll Sucht.
Nun allhier heimgekehrt, leben sie grohs im grohsen Allmiteinander:
Wald und Hag, Hof und Haus erfüllt ihr Vergnügen.
Das Reibholz ziehen, die Sonnenuhr ziehen sie
all dem Geticktacke vor -
Wieder schmecket das Habermus -
wieder und besser gefällt das derbe, in Freundschaft gewirkte
Gewand -
Sonnig Behagen athmet ihre Behausung -
und voll Schönheit, Liebe und Sinn sind all ihre Sitten.
Nachbarn, nicht zu nah - einen Hahnenschrei voneinander -
frohrohes Wildland - Freiheit zwischeneinander -
Allso leben in Heimlichkeit, sterben in Himmelsruh
alltraut, treuliche Menschen.


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LXXXI

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