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2007

'Der Eremit vom Monte Verità' in Venedig

Am Ende einer Wasserfahrt über mehr als 600 Kilometer ging Christoph Kühns Film "Gusto Gräser - Der Eremit vom Monte Verità" am 3.September 2007 in Venedig an Land. Nach einem „triumphalen Empfang“ erlebte er am Abend vor dem Präsidenten und den Notablen der Stadt seine italienischsprachige Erstaufführung.

Wie das? Wie kommt Gusto Gräser nach Venedig? - Der Hintergrund ist folgender:

Claudio Rossetti, dem Leiter des Kongresszentrums über Ascona, ist es gelungen, eine kulturelle Partnerschaft zwischen dem Monte Verità und der Lagunenstadt auf den Weg zu bringen. Zur Inauguration dieses Bündnisses stellte er mit einer Bootsfahrt vom Lago Maggiore über Ticino und Po zum Lido diese Verbindung symbolisch und praktisch vor Augen. Den Film über Gusto Gräser überreichte er der Stadt Venedig als Gastgeschenk und zugleich als Unterpfand dieser Verbindung..

Ohne davon zu wissen, erneuerte er damit eine Begegnung, die sich bereits vor rund 110 Jahren ereignet hat. Denn im Jahre 1899 waren die Brüder Gustav Arthur, Karl und Ernst Gräser von Veldes in Kärnten aus nach Venedig gewandert. In der Naturheilanstalt von Arnold Rikli hatten sie sich zusammengefunden und ihren Austritt aus der verotteten Gesellschaft ihrer Zeit beschlossen. Arnold Rikli ist bekannt als der Pionier einer Heilweise durch Sonnenlicht und Wasser, die dann vom Monte Verità übernommen wurde. Venedig aber war und ist die Stadt, die wie keine andere für die Verbindung von Licht und Wasser steht – und für Kultur. Darum musste sie den drei Licht-und Wasser-Jüngern als das reale Symbol ihres neuen Glaubens erscheinen.

Die Partnerschaft Venedig-Monte Verità steht unter dem Motto: „Zwei Utopien begegnen sich“. Zwei Utopien, zwei Unwahrscheinlichkeiten, zwei Gestalt gewordene Wunschträume begegnen sich da in der Tat. Claudio Rossetti hätte kein besseres Symbol für diese Verbindung finden können als den Film über Gusto Gräser. Seine Dichtung ist ein herausragendes Beispiel dafür, dass aus den Wassern des Unbewussten durch das Licht des Geistes das schöpferisch Neue, das Schöne, die Kultur entsteht.

Bericht über die Bootsfahrt und die feierliche Unterzeichnung des Kulturbündnisses Venedig-Monte Verità (in Italienisch)

1949

>>> Raymond Duncan in Paris <<<

ca. 1920

Die Lietzenburg auf der Insel Hiddensee und der Monte Verità

Hiddensee wurde Ende des 19. Jahrhunderts von den ersten Schriftstellern, Malern und Schauspielern als Ort der Kontemplation und Metropolenflucht entdeckt. Geprägt von der unberührten Landschaft, verkörperte sie in einer industrialisierten Gesellschaft das Modell einer „heilen Welt“.

Nicht die Etablierten, sondern Sucher und Provokateure, die später zur Avantgarde wurden, kamen hierher. Aus dieser Bewegung heraus wurde die Lietzenburg,  bis heute eines der größten und prächtigsten Privatgebäude der Insel Hiddensee, 1904 vom Maler Oskar Kruse-Lietzenburg errichtet.
 Bis in die 30er Jahre bildete die Lietzenburg um die Familie Kruse eines der wichtigsten geistigen Zentren der zwischenzeitlich berühmt gewordenen Insel.

Auf dem Lietzenburg-Gelände befinden sich derzeit sechs historische Holzhütten. Drei der pavillonartigen Hütten sind um die 100 Jahre alt und wurden Anfang der 1920er Jahre von Max und Käthe Kruse errichtet, weshalb wir sie „Kruse-Pavillons“ nennen.

Käthe wurde dabei hochwahrscheinlich von der Tessiner Künstlerkolonie Monte Verità inspiriert. Dort lebte und malte sie ab 1904 mit ihren zwei ersten Töchtern zuerst in einer der „Licht-Luft-Hütten“ wie der bis heute noch bestehenden typischen Casa Selma, die zum eng mit der Natur verbundenen Konzept der Gemeinschaft gehörten. Danach bis 1909 in dem ausgedienten kleinen Vogelfängerturm Roccolo im umgebenden Gelände. So knüpfen gerade die drei Kruse-Pavillons eine interessante Verbindung der Lietzenburg zu Monte Verità, womit Max und Käthe Kruse Oskars Vision der Künstlerinsel ein Stück näher kamen.

Der Aufenthalt von Käthe Kruse, damals noch Simon auf dem Monte Verità wirft ein ganz neues Licht auf den Monte Lietzenburg und insbesondere dessen Geländepavillons.


Siehe Reisebericht vom März 2022.


Quelle: lietzenburg.de