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2021


Gustos Namensvetter

Gustav Gräser - Geboren 2021


2007


'Der Eremit vom Monte Verità' in Venedig

Am Ende einer Wasserfahrt über mehr als 600 Kilometer ging Christoph Kühns Film "Gusto Gräser - Der Eremit vom Monte Verità" am 3.September 2007 in Venedig an Land. Nach einem „triumphalen Empfang“ erlebte er am Abend vor dem Präsidenten und den Notablen der Stadt seine italienischsprachige Erstaufführung.

Wie das? Wie kommt Gusto Gräser nach Venedig? - Der Hintergrund ist folgender:

Claudio Rossetti, dem Leiter des Kongresszentrums über Ascona, ist es gelungen, eine kulturelle Partnerschaft zwischen dem Monte Verità und der Lagunenstadt auf den Weg zu bringen. Zur Inauguration dieses Bündnisses stellte er mit einer Bootsfahrt vom Lago Maggiore über Ticino und Po zum Lido diese Verbindung symbolisch und praktisch vor Augen. Den Film über Gusto Gräser überreichte er der Stadt Venedig als Gastgeschenk und zugleich als Unterpfand dieser Verbindung..

Ohne davon zu wissen, erneuerte er damit eine Begegnung, die sich bereits vor rund 110 Jahren ereignet hat. Denn im Jahre 1899 waren die Brüder Gustav Arthur, Karl und Ernst Gräser von Veldes in Kärnten aus nach Venedig gewandert. In der Naturheilanstalt von Arnold Rikli hatten sie sich zusammengefunden und ihren Austritt aus der verotteten Gesellschaft ihrer Zeit beschlossen. Arnold Rikli ist bekannt als der Pionier einer Heilweise durch Sonnenlicht und Wasser, die dann vom Monte Verità übernommen wurde. Venedig aber war und ist die Stadt, die wie keine andere für die Verbindung von Licht und Wasser steht – und für Kultur. Darum musste sie den drei Licht-und Wasser-Jüngern als das reale Symbol ihres neuen Glaubens erscheinen.

Die Partnerschaft Venedig-Monte Verità steht unter dem Motto: „Zwei Utopien begegnen sich“. Zwei Utopien, zwei Unwahrscheinlichkeiten, zwei Gestalt gewordene Wunschträume begegnen sich da in der Tat. Claudio Rossetti hätte kein besseres Symbol für diese Verbindung finden können als den Film über Gusto Gräser. Seine Dichtung ist ein herausragendes Beispiel dafür, dass aus den Wassern des Unbewussten durch das Licht des Geistes das schöpferisch Neue, das Schöne, die Kultur entsteht.

Bericht über die Bootsfahrt und die feierliche Unterzeichnung des Kulturbündnisses Venedig-Monte Verità (in Italienisch)

1949

>>> Raymond Duncan in Paris <<<

Ab 1924


ERANOS

Die akademische Fortsetzung des Monte Verità.
Alljährlich treffen sich in Ascona Gelehrte aus aller Welt,
um eine geistige Brücke zu bauen zwischen den Kulturen
von Ost und West: Psychologen, Theologen, Historiker
und Philosophen. Darunter der Psychologe C. G. Jung
und die Religionshistoriker Richard Wilhelm, Karl Kerényi,
Teitaro Suzuki, Martin Buber und Mircea Eliade.

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Grabmal für Richard Wilhelm in Bad Boll

Die Tradition begann im August 1924 auf dem Monte Verità mit einem Vortrag von Martin Buber über das ‚Tao Te King‘ von Laotse. An ihm nahm auch die spätere Gründerin des Eranos-Kreises teil: Olga Fröbe-Kapteyn. Ihre Eltern, Gäste des Sanatoriums von Oedenkoven, erwarben für sie ein Haus am See, die Casa Gabriella von Carlo Vester. Sie wurde ausgebaut zur Heimstatt der Tagungen. Im Jahre 1930 begonnen, werden sie bis heute fortgeführt von der

Eranos Foundation.

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Pioniere, Poeten, Professoren

Eranos und der Monte Verità in der

Zivilisationsgeschichte des 20. Jahrhunderts

Von Elisabeth Ries

Gusto Gräser verkörperte die radikale Alternative des Ausbruchs aus der techni-sierten und militarisierten europäischen Zivilisation: Er lebte auf der Straße oder in einer Höhle, lehnte regelmäßige Arbeit und jeden Zwang ab, predigte Gewaltlosigkeit und Vegetarismus aus Verehrung für alle Formen des Lebens, befaßte sich mit den kontemplativen Lehren des Laotse und verkündete als simples Lebensmotto, das Edle und Gute neben dem Bösen aufbauen zu wollen. …

Mit seinem Ideal der Freiheit, der Naturnähe und dem Interesse an östlicher Lebens-weisheit beeinflußte Gräser Hermann Hesse sehr stark, der … ihm zeitlebens verbunden blieb. Um 1920 verließ Gräser Ascona endgültig. Er verkündete als eine Art Wanderprediger seine Lehre vom ‚Sein‘, das über dem ‚Haben‘ stehe. … Gräser, der 1958 als einsamer Poet in München starb, nachdem er die Zeit des National-sozialismus als marginalisierter Vagabund überstanden hatte, kann mit seinen pazifistischen und ökologischen Ideen von einer Erneuerung des Lebens fernab von Militarisierung und Industrialisierung als ein - wenn auch vergessener - Vorläufer der Alternativbewegung und der Partei der Grünen gesehen werden. (25)

Unter der Vielzahl von Schriftstellern, deren Wege über Ascona und den Monte Verità führten, ist Hermann Hesse hervorzuheben als derjenige, der am nachhaltigsten von den Ideen der Anfangsjahre geprägt war. 1906 [1907!] erstmals zu einer Alkoholentziehungskur auf dem Monte Verità, beeindruckte ihn die freie, vagabun-dierende Lebensweise Gusto Gräsers. Er befaßte sich mit theosophischen Schriften und fand Interesse an Indien, das er 1911 besuchte. Hesse wollte den Weg Gräsers, der ihm 1919 sein Laotse-Manuskript anvertraute und ihn aufforderte, mit ihm zusammen auf die revolutionären Ereignisse in München einzuwirken, nicht mitgehen. „He chose the aesthetic path over the heroic one“, wie M. Green formulierte - er blieb Schriftsteller, der den Propheten bewunderte und ihn in seinen Werken wider-spiegelte, ihm aber nicht folgte. (30)

Aus: Pioniere, Poeten, Professoren. Herausgegeben von Elisabetta Barone, Matthias Riedl und Alexandra Tichel. Eranos, Neue Folge, Band 11. Würzburg 2004

E‘ in questo contesto storico e in questo luoghi che nasce l’esperienza propriamente chiamata Eranos. Adele Bottiglieri, ebd., S. 132

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Der runde Tisch von Eranos

ca. 1920


Die Lietzenburg auf der Insel Hiddensee und der Monte Verità

Hiddensee wurde Ende des 19. Jahrhunderts von den ersten Schriftstellern, Malern und Schauspielern als Ort der Kontemplation und Metropolenflucht entdeckt. Geprägt von der unberührten Landschaft, verkörperte sie in einer industrialisierten Gesellschaft das Modell einer „heilen Welt“.

Nicht die Etablierten, sondern Sucher und Provokateure, die später zur Avantgarde wurden, kamen hierher. Aus dieser Bewegung heraus wurde die Lietzenburg,  bis heute eines der größten und prächtigsten Privatgebäude der Insel Hiddensee, 1904 vom Maler Oskar Kruse-Lietzenburg errichtet.
 Bis in die 30er Jahre bildete die Lietzenburg um die Familie Kruse eines der wichtigsten geistigen Zentren der zwischenzeitlich berühmt gewordenen Insel.

Auf dem Lietzenburg-Gelände befinden sich derzeit sechs historische Holzhütten. Drei der pavillonartigen Hütten sind um die 100 Jahre alt und wurden Anfang der 1920er Jahre von Max und Käthe Kruse errichtet, weshalb wir sie „Kruse-Pavillons“ nennen.

Käthe wurde dabei hochwahrscheinlich von der Tessiner Künstlerkolonie Monte Verità inspiriert. Dort lebte und malte sie ab 1904 mit ihren zwei ersten Töchtern zuerst in einer der „Licht-Luft-Hütten“ wie der bis heute noch bestehenden typischen Casa Selma, die zum eng mit der Natur verbundenen Konzept der Gemeinschaft gehörten. Danach bis 1909 in dem ausgedienten kleinen Vogelfängerturm Roccolo im umgebenden Gelände. So knüpfen gerade die drei Kruse-Pavillons eine interessante Verbindung der Lietzenburg zu Monte Verità, womit Max und Käthe Kruse Oskars Vision der Künstlerinsel ein Stück näher kamen.

Der Aufenthalt von Käthe Kruse, damals noch Simon auf dem Monte Verità wirft ein ganz neues Licht auf den Monte Lietzenburg und insbesondere dessen Geländepavillons.


Siehe Reisebericht vom März 2022.


Quelle: lietzenburg.de