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Vor 100 Jahren boomten in Europa alle möglichen Lebens-Reform-Experimente. Der "Tessiner Zauberberg" Monte Verità wurde zum Inbegriff diverser kulturreformerischer Sehnsüchte des heraufziehenden 20. Jahrhunderts. Aber auch Heinrich Vogelers Gründung der Worpsweder Barkenhoff-Kommune nach dem Ersten Weltkrieg stand noch in dieser Tradition, wenn auch als radikal-politische Variante. Den Verbindungen zwischen Ascona und Worpswede geht das Stück "Berge der Utopie" nach, mit dem die Theatertruppe "Cosmos Factory" in den Theatersommer 2010 auf dem Barkenhoff gestartet ist.

Lebensreform in Ungarn:
Gusto Gräser verbrachte prägende Jugendjahre in Budapest. Die gesellschaftlichen und geistigen Entwicklungen in der Stadt können auf ihn nicht ohne Einfluss geblieben sein. Mit einem Vordenker, dem Philosophen Eugen Heinrich Schmitt, kam er später durch Freunde in Verbindung.

Mehr über die ungarische Lebensreformbewegung in den Auszügen aus dem Aufsatz von András Németh in der Reihe NOVALIS
Verlag Gondolat Kiadó, Budapest, 2014, ISBN 978 963 693 545 0

Lebensreform, Reformpädagogik und Lehrerberuf
 



Geistige Strömungen um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert - eine recht umfassende Darstellung
Zeigt das Umfeld auch des Monte Verità
ZEIT Geschichte 1/13:  Anders leben
 
Wilder denken,
freier lieben, grüner wohnen - Jugendbewegung und Lebensreform in Deutschland um 1900


Aufsatz von Hermann Müller:
"Gusto Gräser – grüner Prophet aus Siebenbürgen", mit 5 Abbildungen
Herausgegeben vom
Mindener Kreis, in "Kiefern im Wind - Zum Naturverhältnis in der Jugendbewegung", S. 27-36, herausgegeben von Pit Stibane, 2010

2 % Vegetarier, ist das alles was Gusto Gräser bewirkt hat?
Hier
sagt Uli Holbein der Narr:
"Ich weiß genau,warum ich nur Tiere esse, die ich selbst gestreichelt habe, und kann wirklich gut verstehen wenn jemand gar keine essen will"
Und noch so eine Narretei von Ulrich Holbein, von Baum zu Baum auch aus Gusto geschöpft, doch weiter gesponnen, verworben, verdreht.
Hier
Abu Brahma, Buddha, Jesus, Obelix, Tarzan und die Baumgeister
Mythomanisch grüngolden säuselnde Menschheitsmärchen.

Dazu Hermann Müller:
"... märchenhaft verpackt, eine überaus gelehrte (mit wissen vollgestopfte), kühnfreche (schnoddrig-rotzige) geschichte des weltenbaums, der mein kurzverstand kaum folgen kann, die aber um des darin gespeicherten großen durchblicks willen nicht verloren gehen sollte ...".
Hippies und Happies

Ein Beitrag (Auszug: klick hier!) von Ulrich Holbein
in dem Buch von Frank Schäfer:
"Burg Herzberg Festival - since 1968"

 
   Gusto ein Hippie ????   



Zwei Jahrhunderte vor Gusto
 
Von Transsilvanien nach Pennsylvanien

Johannes Kelpius (1667 - 1708)

Ein Vorläufer Gusto Gräsers?
Ein Jahrhundert vor Gusto
Jean Journet (1799 - 1861)

Ein Vorläufer von Gusto war der Wanderapostel, Kommunarde, Dichter, Sänger und Schriftsteller Jean Journet (1799 - 1861), Schüler von Charles Fourier, Freund von Gustave Courbet, von diesem gemalt, genannt „l‘exalté“, der begeisterte, entflammte, schwärmerische. Wegen seiner Mystik war er selbst unter Fourieristen umstritten. Das Gemälde von Courbet war verschollen und ist jetzt nach 70 Jahren in der Sammlung von Gurlitt wieder aufgetaucht; es gehört in die Ahnengalerie der Barfusspropheten. Die Gräsers waren ja Fourieristen und wollten in Ascona eine Phalanstère à la Fourier errichten.

Courbet nennt sein Bild „L’Apôtre Jean Journet partant pour la conquète de l’harmonie universelle“ (Der Apostel Jean Journet auf dem Weg zur Gewinnung der Universellen Harmonie). Harmonie war ein Grundbegriff von Fourier: so nannte er seine Kommunen, z.B. “New Harmony“ in USA. Bei Gräser heisst sie – gut deutsch – „Eintracht“ oder „Alleintracht“. 

                                               

Wer spielt mit – du Weib – du Mann?
Hier – geht – an
Tiefeinanderdienen wie die Simsumbienen,
hilft uns heim aus Unheimwust, irreschwirre, stolperstammelnd
Blütenhonigseim uns sammelnd, sonnge
Eintrachtlust 

Es gibt eine Traditionslinie: Fourier – Marx / Journet / Proudhon – Courbet, der Journet und Proudhon gemalt hat  –  August Bebel, der eine Fourier-Biografie geschrieben hat, Stuttgart 1888 – Gustav Maier, Zürich, der Ziehvater Albert Einsteins, der Gräser 1900 die Kennntnis Fouriers vermittelt hat – Gusto und Karl Gräser – Mühsam / Landauer / Otto Gross / Alfred Daniel / Muck-Lamberty / Gertrud Gräser / Schulze-Sölde etc. …..

Für Gräsers Freund Alfred Daniel war Proudhon der Hausheilige, er hat in Radolfzell ein Proudhon-Archiv aufgebaut und Schriften herausgebracht.

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt hat Courbet 2012 ausgestellt.

Gräser …
… führet uns, Alleintracht zu erzeugen,
in den stillgewaltgen Geisterstreit! 



Lebensreform:



LEBENSREFORM IN DER SCHWEIZ
--> eine systematische Dokumentation von Edi Goetschel
LEBENSREFORM IN DER SCHWEIZ



--> und: eine Fülle von Informationen bei Societyofcontrol
Mit den Kapiteln: Utopie - Vorläufer - Lebensreform - Monte Verità - Barfüssige Propheten - Bohemia - Münchener Räterepublik - Weimarer Republik - Publikationen - Today
Der russische Philosoph Afrikan Spir soll auf die Gründer des Monte Verità Einfluss gehabt haben. Zuvor aber wirkte er schon auf den deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche.

Klick!
Wir brauchen einander. Dies einzusehen ist die Grundlage für eine friedliche Weltordnung unter uns Menschen und mit unseren Mitlebewesen im Mineralien-, Pflanzen- und Tierreich. Frieden kann es nur dann geben, wenn wir in Frieden mit der Natur leben. Der Mensch der Zukunft wird im Einklang mit der Schöpfung leben müssen, wenn er überleben will.

Klick dich zu den Elementarkreisen - zum Schamanismus unserer Zeit.



Der russische Neukantianismus: Marburg in Rußland.

Historisch-philosophische Skizzen von Nina A. Dmitrieva

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Gelebte Spiritualität ist der Motor einer stillen Revolution, die ihre Vorläufer in Menschen wie Victor Schauberger, Nicolas Tesla, Wilhelm Reich, Karl Landauer, Gusto Gräser, Charles Fourier, Joseph Beuys, Hans Christian Ströbele u.v.m. die in ihrer Zeit auf große Widerstände stießen.


Gräsertänze von heute:
Danza delle erbe
( Kräutertanz )
Ysengarda
( Hexentanz)
The dance must go on ... Planetary Dance
Dorothea Beleites lässt Bälle und Feuer kreisen
um Gustos Gedicht:


So freuet Euch,

hah, feuert, feuert Euch –
aufs neue wird gegründet, entzündet neu
Menschsein im Erdsternreich
herzgottentfacht –
aus dem nahfern urtraulich schimmerlacht die:
ERDSTERNZEIT –
Weltheimkehrzeit,
wo müheseelig allbereit der Mensch
sein winzig Lebenslicht
einflicht mit Herzenswonnepflicht
zum Himmel aller Himmel:
„Selbstheimatsein“
des – Schlüssel – der – Verzicht!


Ausschnitt im Nachlass Gusto Gräser

Nach der Klimakatastrophe

Eine prophetische Dichtung von Alfred Döblin

»1001 Zukunftsprognosen und Gegenwartsromane sehn neben Berge Meere und Giganten a priori weniggleisig, hausbacken, halt vordöblinisch aus.«
Ulrich Holbein, Frankfurter Rundschau

Aus einer Besprechung:

„Enzyklopädisch und visionär erzählt Berge Meere und Giganten die von Krieg und Naturzerstörung geprägte Geschichte der menschlichen Zivilisation bis zum 27. Jahrhundert. Die politische Welt der Zukunft, die Döblin dabei entwirft, ist aufgeteilt in zwei große, totalitäre Machtblöcke, die sich im »Uralischen Krieg« bekämpfen.
Höhepunkt der Handlung ist eine Expedition nach Grönland, die neuen Siedlungsraum erschließen soll. Aus isländischen Vulkanen gewonnene Feuermassen bringen den grönländischen Eispanzer zum Schmelzen. Doch unter dem Eis kommen gewaltige Urtiere zum Vorschein, die zu neuem Leben erwachen und die gesamte Menschheit bedrohen. Erst durch biotechnisch erzeugte »Giganten« kann den monströsen Urtieren Einhalt geboten werden. Zu den Überlebenden gehören Siedlergruppen, die an die Stelle der herrschenden Technokratie schließlich ein friedliches Leben in Einklang mit der Natur zu setzen versuchen.“

Gusto Gräser hat diese Anzeige von Döblins Giganten (eine Kurzfassung von Berge, Meere und Giganten) offenbar gleich nach Erscheinen (1932) ausgeschnitten und rot angestrichen. Die antiindustrielle Tendenz musste ihn anziehen. Offen bleibt, ob er das Buch je gelesen hat.

Da Döblin auch Chinesisch-Taoistisches von sich gegeben hat und  wegen anderer Anzeichen frage ich mich, ob er Gusto gekannt haben könnte. Döblin lebte und schrieb vor dem Ersten Weltkrieg in Berlin.

Sein in China spielender Wanglun-Roman wurde im Juli 1912 begonnen - da war Gusto seit einem Jahr in Berlin. Zitate:

Sie predigten nicht, suchten niemanden zu bekehren. Vergeblich bemühten sich Literaten, die sich unter sie zu mischen, ein religiöses Dogma von ihnen zu hören. Viele aßen kein Fleisch, brachen keine Blumen, schienen Freundschaft mit den Pflanzen, Tieren und Steinen zu halten. Ein Seufzen preßte das Land aus. Man hatte so glückverschleierte Augen nie gesehen. Ein Zittern ging durch die Familien. (Döblin: Die 3 Sprünge des Wang-lun, 1912)

 Die Strolche, mit denen er tagelang zusammenhockte, schwankten in ihrer Auffassung über ihn (Wang-lun). Ein paar Jüngere nahmen ihn nicht für voll, sie hielten ihn für einen Halbnarren mit entsetzlicher Gewandtheit, eine Art Affenmenschen. Die älteren scheuten ihn. Sie nörgelten nicht an seiner kindischen Verspieltheit; ihnen fielen die nicht seltenen Minuten seiner unheimlichen Entrücktheit auf. (Alfred Döblin, ebendort über Wang-lun, 1912)

Ein Zittern ging durch die Menschen, wenn Gräser auftrat. Manche, die ihn bewunderten, hatten glückverschleierte Augen. Andere nannten ihn einen Narren und gingen ihm aus dem Weg. Den Klarsehenden entging nicht die unheimliche Entrücktheit dieses Menschen.

Die Reaktionen auf Wang-lun entsprechen denen auf Gusto Gräser - bis heute.

Döblin hat in den beiden Büchern zwei Zukunftsszenarien entworfen. Im ersten Buch ist der Ausgang noch pessimistisch, im zweiten Buch hofft er auf ein kommendes naturfreundliches Zeitalter – nach der Selbstzerstörung der technokratischen Giganten.

Aus einer Besprechung von Die drei Sprünge des Wang-lun:

Wang-lun ist eine historische Figur; der Aufstand, den dieser Fischersohn anführt, hat tatsächlich 1774 stattgefunden. Er ist nur eine in einer Reihe vieler ketzerischer Unruhen im Norden Chinas, die von der kaiserlichen Regierung verfolgt werden. Wang-lun beruft sich zunächst auf die Lehre vom Wu Wei, vom Nichthandeln, die auf Laotse zurückgeht. Die Anhänger der Sekte verehren als Tempel das Weltall, ihre Götter sind die Berge und Flüsse. Sie sind Vegetarier und nennen sich Brüder und Schwestern. Taoistische und buddhistische Elemente verbinden sie in ihrem Glauben mit alten Vorstellungen volkstümlicher Mythologie. Doch ihr passiver Widerstand scheitert an der Realität politischer Machtverhältnisse und die Menschen greifen zu den Waffen; ein Konflikt, der in verschlüsselter Form auch die Probleme des deutschen Kaiserreichs zu Anfang des 20. Jahrhunderts widerspiegelt.

Döblin widmet sich in dem Roman, den er 1912 und 1913 schreibt, nicht dem technokratischen Fortschrittsdenken seiner Zeit, sondern ihren revolutionären Umbrüchen. Thema ist der Widerstand des Einzelnen gegen den totalitären Staatsapparat …

Döblin geht es nicht um ein Heldendrama, sondern um die Wirkung charismatischer Führer auf die Masse. Wang-lun verschwindet über weite Strecken des Romans hinter den revolutionären Ereignissen, die er auslöst. Ihn interessiert die kollektive Katastrophe, das Scheitern einer religiösen und sozialen Bewegung und das allgemein menschliche Schwanken zwischen Hoffnung und Resignation, Kampf und Verzweiflung, Sieg und Niederlage. Dabei beschönigt er nichts; Wang-lun und die anderen Protagonisten werden in ihren guten und schlechten Charaktereigenschaften gezeigt.

Die drei Sprünge des Wang-lun gilt als erstes Meisterwerk expressionistischer Erzählkunst. Für viele markiert dieser Roman den Beginn der literarischen Moderne in Deutschland, wegen seiner explosiven Sprache und der faszinierenden Flut an Bildern und Motiven. Der Roman macht seinen Autor berühmt, obwohl er gängigen Lesegewohnheiten widerspricht. Die Sprache hat ein hohes Tempo, Szene reiht sich an Szene, Bild an Bild, Ereignis folgt auf Ereignis. Einzelne Sequenzen stehen lose im Ganzen und folgen Döblins Schreibtechnik, die nicht auf Linearität des Erzählens angelegt ist, sondern einzelne Sequenzen für sich stehen lässt, die erst der Leser zu einem Ganzen zusammenfügt.

Günter Grass schreibt über dieses bemerkenswerte Buch: Wang-lun, der Führer der Schwachen und Wehrlosen, wird, indem er das Schwachsein zur Ideologie erheben will, schuldig. Die Greuel der Schwachen und Gammler der Mandschu-Zeit messen sich an den Greueln der Herrschenden; Wang-lun, der sanfte Berserker, scheitert und löscht sich aus."


Man kann das Buch lesen als eine dichterische Auseinandersetzung mit der Person Gusto Gräser. Döblin scheint sich gefragt zu haben: Was würde geschehen, wenn dieser Mann Wirkung und Erfolg hat? Er unterstellt ihm willkürlich, dass dieser „Führer der Schwachen und Wehrlosen“ den Versuchungen und Zwängen zur Gewalt nicht würde widerstehen können.

Seine Fragestellung und seine Antwort ist ganz ähnlich der von Gerhart Hauptmann in dessen fast zur selben Zeit (1910) entstehendem Roman ‚Der Narr in Christo Emmanuel Quint’. Hauptmanns Buch enthält sehr deutliche Anspielungen auf Gusto Gräser, und auch er prophezeit, dass dieser seltsame Heilige auf Abwege geraten, scheitern und schließlich umkommen werde.

Aus beiden Werken der beiden Schriftsteller spricht sowohl die Faszination wie die Angst der Verfasser vor dem Vorbild Gusto Gräser. Indem sie sich einreden, dass dieser Mensch nicht nur scheitern sondern auch schuldig werden würde, wehren sie die innere Aufforderung oder Versuchung ab, diesem „charismatischen Führer“ zu folgen, d.h., den Weg der Schwachen und Wehrlosen zu gehen.